04. 04. 2017

„Manchmal träume ich schon davon…“

Sylvia Wiesner freut sich auf ihre Arbeit im Frühstücksservice

Sylvia Wiesner freut sich auf ihre Arbeit im Frühstücksservice

Noch zehn Wochen bis die ersten Gäste kommen – Sylvia Wiesner freut sich auf ihre neue Arbeit in der Botschaft für Kinder

Vieles wird sich für Sylvia Wiesner ab Mai ändern, da ist sie sich sicher. Dann beginnt ihre Arbeit als Servicekraft im Frühstücksgeschäft des Tagungshotels Rossi, dem Inklusionsunternehmen des SOS-Kinderdorf e.V. in der Botschaft für Kinder. Optimistisch und neugierig ist sie. Wie wird es wohl sein, in dem neuen Haus in der Lehrter Straße zu arbeiten? Wie sind die neuen Kolleginnen und Kollegen? Welches Geschirr gibt es dort? Was ändert sich im Alltag, wenn sie ab Eröffnung des Hotels meist Frühschicht hat? Die 50-Jährige freut sich auf die neue Herausforderung und hat ein gutes Gefühl: „Ich denke, dass ich da sehr gut rein passe.“ Als gelernte Fachverkäuferin für Lebensmittel kennt sie sich im Service aus. Auch das Kassieren und Abrechnen bereitet ihr Freude. Seit einiger Zeit ist das ihr Tätigkeitsfeld im Ausbildungsrestaurant Rossi des SOS-Kinderdorf Berlin, das seit nunmehr 20 Jahren mittags die Besucher am bisherigen Standort in den Osramhöfen kulinarisch versorgt. Sylvia Wiesner gehört hier zum Gastro-Team und ist für die Stammgäste längst ein vertrautes Gesicht.

Seit 2008 ist Sylvia Wiesner mit SOS-Kinderdorf verbunden

Das Restaurant bietet im Innenraum bald Platz für 80 Gäste Bild vergrößern

Sylvia Wiesners zukünftiger Arbeitsort in der Botschaft für Kinder: das Restaurant bietet im Innenraum bald Platz für 80 Gäste

Bevor sie im Restaurant im Berliner Wedding anfing, war sie schon mehrere Jahre im SOS-Kinderdorf aktiv. 2008 begann ihre Zeit bei SOS: erst im Rahmen einer ABM-Maßnahme, dann ehrenamtlich im Familientreff, in dem sie zum Beispiel Kleinkindergruppen betreute. Anschließend folgte eine zweijährige, vom Jobcenter geförderte Beschäftigung. Von Anfang an war es ihr Wunsch, bei SOS-Kinderdorf zu bleiben. Denn die Einrichtung ermöglichte ihr das, was viele andere Unternehmen nicht taten: Sie konnte sich bei Bedarf immer um ihre schwerbehinderte Tochter Linda kümmern und ihre Arbeitszeiten entsprechend anpassen. Die mittlerweile 23-Jährige hat das Coffin-Lowry-Syndrom, ein Gendefekt, der erst mit elf Jahren diagnostiziert wurde. Die Symptome der Krankheit schreiten mit zunehmendem Alter voran, so dass Sylvia Wiesner Zeit brauchte, um sich um ihre Tochter zu kümmern. Ihre Arbeit aufgeben wollte sie aber nicht und so stand sie dem Kinderdorf wenn möglich immer gerne zur Verfügung. Als Linda dann in eine betreute Einrichtung zog und dort in eine angegliederte Behindertenwerkstatt integriert wurde, bot sich ihrer Mutter die Möglichkeit einer unbefristeten Stelle im Service des Familiencafés. Diese Chance nutzte sie. Und als Sylvia Wiesner nach der Fusion mit dem SOS-Berufsausbildungszentrum gefragt wurde, ob sie dort in der Spülküche und später im Service aushelfen würde, tat sie auch dies mit Freude. Mit den Azubis und Praktikanten kam sie schnell gut zurecht. Sie war gerne jederzeit mit Rat und Tat für sie da und gab ihnen Tipps.

Auch das neue Tagungshotel "Rossi" öffnet bald

Als Julia Böhm, die Hotelleiterin des neuen Tagungshotels Rossi, Anfang 2017 auf sie zukam und sich erkundigte, ob sie Lust auf den Frühstücksservice der gemeinnützigen Vereinstochter hätte, zögerte Sylvia Wiesner nicht lange. „Ich bin stolz darauf, dass es so gekommen ist. Ich bin zwar keine gelernte Fachkraft im Gastgewerbe, aber ich kann mir gut vorstellen, mich darum zu kümmern, dass sich die Gäste wohl fühlen.“ Falls mal Not am Mann ist, hilft sie zukünftig auch gerne im Housekeeping des Hotels mit seinen 28 Zimmern oder im Mittagsgeschäft aus: „Umso abwechslungsreicher, desto schöner für mich.“ Von Vorteil sind auch ihre Erfahrungen mit ihrer Tochter, denn so weiß sie, welche Bedürfnisse Menschen mit Behinderung haben und warum sie vielleicht anders reagieren als erwartet. Ein wichtiger Aspekt im inklusiven Tagungshotel, in dem bis zu 40 Prozent Menschen mit einer geistigen, psychischen oder physischen Behinderung arbeiten werden.

Kirsten Spiewack, Leiterin des SOS-Kinderdorfs Berlin, freut sich mit Sylvia Wiesner über ihre berufliche Entwicklung: „Sylvi hat sich bei uns von Anfang an bewiesen und gezeigt, was man auch unter besonderen Umständen erreichen kann. Es ist schön zu erleben, dass sie nun auch im Hotel durchstarten und dieses mit ihrer herzlichen Art bereichern wird.“