13. 09. 2016Quelle: Gerd Seibel

„Die eigenen Grenzen erspüren und zusammen wachsen“

Der Erlebnishöhepunkt im Klettergarten.

Der Erlebnishöhepunkt im Klettergarten.

Ich kann was!

In den diesjährigen Sommerferien nahmen sechs Jugendliche aus dem SOS-Kinderdorf Saar an einem außergewöhnlichen erlebnispädagogischen Projekt teil. Das Kinderdorf hatte bei der Deutschen Telekom und deren Initiative „Ich kann was!" letztes Jahr schon einen Projektantrag gestellt und die Einrichtung wurde daraufhin in die Förderung aufgenommen. Im Vordergrund des Projektes stand ein Zuwachs an persönlicher und gruppenbezogener Erfahrungen. Es galt vorhandene Erfahrungen zu erweitern, neue positive Erfahrungen zu ermöglichen bzw. wenig hilfreiche Erfahrungen zu korrigieren.

Klettern am Felsen Bild vergrößern

Beim Klettern ging es ganz hoch hinaus.

Aus einem Pool von erlebnis- und naturpädagogischen Methodenbausteinen plante und gestaltete die Gruppe ihr eigenes Programm für eintägige und dreitägige Aktionen. Alles: Von der Planung, der Vorbereitung, dem zeitlichen Rahmen, der Verpflegung, dem benötigtem Material , der Ausrüstung, den Verkehrswegen bis zu dem notwendigem Persönlichen Bedarf musste von der Gruppe in gegenseitiger Abstimmung organisiert und geregelt werden. Eine große Herausforderung für die Gruppe und jeden Einzelnen. Es galt sich in Kompromiss- und Kooperationsbereitschaft zu üben, Kritik und Konflikte auszuhalten und konstruktiv damit umzugehen. Am Ende stand immer die Erfahrung: Wir haben uns gemeinsam fair verständigt und eine gemeinsame Gruppenentscheidung getroffen.

Klettern, Kanutour und Fahrrad fahren

Im Hochseilgarten hatte jeder Jugendliche die Möglichkeit bei der Bewältigung unterschiedlicher Anforderungen und Aufgabenstellungen eigene körperliche Grenzen wahrzunehmen, zu akzeptieren und zu überwinden. „Was traue ich mir zu? Wie weit springe ich an das freihängende Trapez? Kann ich meinem Körpergefühl vertrauen? Wie groß sind meine Risikobereitschaft und meine Angst? Wo beginnt Leichtsinn und Übermut?

Zentral war die Erfahrung des gegenseitigen Vertrauens und der Verlässlichkeit

Jeder auf dem Seil wurde von drei Gruppenmitgliedern gesichert, denen man vertrauen musste und die sich als vertrauenswürdig erweisen mussten.

Altfelsen Bild vergrößern

Beim Klettern am Kalkfelsen

Beim Klettern am Kalkfelsen waren die Jugendlichen mit den Anforderungen konfrontiert: Wie hoch traue ich mich zu klettern? Wo ist meine Grenze? Kann ich sie überschreiten? Stehe ich zu meiner Angst (z.B. beim 20 Meter tiefen Abseilen an der Felswand), kann ich darüber sprechen und sie sogar überwinden? Einmal die Erfahrung machen, dass vor Angst die Knie zittern und das dies in dieser Situation ganz „normal“ ist, weil es jedem so geht, dann die Angst überwinden und richtig stolz sein dürfen, das man es geschafft hat. Für alle ein unvergessliches Erlebnis.
Bei der Kanutour auf der Mosel machten die Jugendlichen die Erfahrung, dass es gar nicht so einfach ist ein Kanu vorwärts zu bewegen und zu steuern. Dies gelingt nur durch gegenseitige Rücksichtnahme, Abstimmung und synchronen Paddelschlag. Eine Tagestour zehrt gewaltig an den Kräften und verlangt vor allem Hilfsbereitschaft und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten und Leistungen. Alle hatten viel Spaß auf dem Wasser, meisterten auch die schwierigen Passagen mit Bravour und konnten auf die eigene und gemeinsame Leistung stolz sein.

Motivation und Rücksichtnahme auf Schwächere, Zusammenhalt und Teamgeist

Den Abschluss des erlebnispädagogischen Projekts bildete eine dreitägige Fahrradtour mit Zelten, Wanderung und Baden im Stausee. Über 70 km Tagesfahrstrecke mit Gepäck, bei Temperaturen um 35°C, bergigem Gelände, mit kleinen Pannen und einen zum Glück glimpflich abgelaufenen Unfall waren eine echte Herausforderung. Durch gegenseitige Motivation und Rücksichtnahme auf Schwächere, Zusammenhalt und Teamgeist schaffte es die Gruppe während des gesamten Projektes bedeutsame Erfahrungen zu machen, die auf aktuelle Lebensbereiche übertragen werden können. Als Quintessenz für jeden Einzelnen und die Gesamtgruppe stehen die Erfahrungen: „Die Gruppe schafft mehr als die Summe ihrer einzelnen Mitglieder“ und „ Ich bin richtig fertig und total erschöpft, aber ich bin froh und stolz, dass ich es gemacht und geschafft habe.“

Das Projekt wurde von der Erlebnispädagogischen Werkstatt Saar e.V. und dessen erfahrenen Erlebnispädagogen Tobias Raible hervorragend begleitet und gemeinsam mit dem Fachdienstmitarbeiter des SOS Kinderdorf Saar Gerd Seibel durchgeführt.