Direkt zum Inhalt





Nargis Weg in die Unabhängigkeit

Nargis arbeitet an der Nähmaschine, ihr Sohn schaut ihr zu. Nargis (32) verlor ihren Mann durch einen Terroranschlag. Erst SOS-Kinderdorf gab ihr danach neue Hoffnung.

Nargis war 20, als sie mit einem Arbeiter in der Papierindustrie von Srinagar verheiratet wurde. Sie führten ein glückliches Leben mit ihren zwei Kindern, bis zu dem Zeitpunkt, als der Ehemann auf dem Weg zur Arbeit durch eine Bombenexplosion getötet wurde.

Nargis war hilflos

Für Nargis stürzte damals eine Welt ein. Schon bald nachdem die letzten Bestattungsriten vollzogen waren, wurde Nargis von den Hinterbliebenen ihres Mannes aufgefordert, zusammen mit ihren Kindern das Haus zu verlassen. "Ich erinnere mich noch an den Tag, als mich meine Schwiegermutter vor die Tür setzte. Ohne Geld und völlig hilflos stand ich auf der Straße", sagt Nargis mit Tränen in den Augen.

Außer ihrem leiblichen Bruder – der Familienvater verdient seinen Lebensunterhalt als Autorikscha-Fahrer – hatte sie niemanden, an den sie sich wenden konnte. Angesichts der traurigen Situation, in der sich Nargis befand, überließ er ihr ein Zimmer, stellte aber auch unmissverständlich klar, dass er darüber hinaus nichts für sie tun konnte.

Das Geld reichte nicht für die Schule

Nargis war eine Analphabetin ohne Berufsausbildung. Ihre Chancen auf einen festen Arbeitsplatz waren gleich null. Anfangs hielt sie sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser, wobei sie weniger als einen Dollar pro Tag verdiente. Mit diesem kleinen Einkommen konnte sie ihre Kinder zwar ernähren, für den Schulbesuch reichte es aber nicht.

"Mein älterer Sohn war sechs und der jüngere vier Jahre alt, als Schluss war mit dem Schulbesuch. Immer, wenn ich Kinder auf dem Weg zur Schule sah, war mir zum Weinen zumute, und ich betete zu Gott, irgendjemand auf dieser Welt möge uns helfen", erzählt Nargis.

SOS-Kinderdorf hilft Nargis

Nargis erfuhr vom Familienstärkungsprogramm von SOS-Kinderdorf Indien und bat die Mitarbeiter des SOS-Kinderdorfs Srinagar um Unterstützung. Nach Erledigung aller Formalitäten erhält sie nun 1000 Rupien (US-Dollar 25) im Monat. Mit diesem Geld kann Nargis nun ihre Kinder zur Schule schicken. Die beiden besuchen die vierte und die zweite Klasse mit gutem Erfolg.

Das war eine großartige Unterstützung für Nargis. Nichtsdestotrotz wollte die junge Frau unbedingt eine Berufsausbildung machen, die ihr Unabhängigkeit verschaffen sollte. "Ich wollte nicht Hilfsarbeiterin bleiben, sondern einen guten Job finden, der mir und meinen Kindern Ansehen in der Gesellschaft verleihen würde", sagt Nargis. "So entschied ich mich für eine Lehre als Schneiderin und Stickerin."

Sie ließ sich im SOS-Kinderdorf Srinagar beraten und erhielt Unterstützung bei ihrer Bewerbung um einen Ausbildungsplatz im "Institut für Zuschneiden, Nähen & Sticken (Gulshan Banaat)", das vom Jammu & Kashmir Yateem Trust betrieben wird.

Nargis wird unabhängig

Nargis ist nun eine tüchtige Stickerin, aber es wird noch eine Weile dauern, bis sie sich als Schneiderin selbstständig machen kann. Ihr erstes Gehalt – 700 Rupien (US-Dollar 16) – wurde bereits ausbezahlt, und Nargis ist überglücklich: Sie führt ein angenehmes, unabhängiges Leben und ihre beiden Kinder lernen gut.

"Mir fehlen die Worte, um SOS-Kinderdorf für seine großartige Unterstützung entsprechend danken zu können. Nachdem ich meinen Ehemann verloren hatte, war ich einsam und hilflos. Als Teil des Familienstärkungsprogramms fühle ich mich auch der großen SOS-Familie zugehörig", sagt Nargis voller Stolz