27. 10. 2017

EHAP – Unterstützung beim Einleben in Salzgitter

Justyna bei ihrer Arbeit beim HERTA-Treff

Justyna bei ihrer Arbeit beim HERTA-Treff

Einen Neustart in Deutschland versuchen, das fällt vielen Zugezogenen nicht leicht. Seit Anfang 2016 werden in Salzgitter Familien mit Kindern von 0 – 6 Jahren aus den östlichen EU-Ländern durch EHAP (Europäischer Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen) bei diesem Neustart begleitet und beraten.

EHAP - Europäischer Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen Bild vergrößern

EHAP - Europäischer Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen

Eine derjenigen, die solche Hilfestellungen leistet, ist beim HERTA-Treff Justyna Zdanowicz. Sie hatte noch in Nordpolen Forstwirtschaft studiert, folgte dann aber 2008 ihren Eltern nach Deutschland, die bereits zwei Jahre zuvor übergesiedelt waren. Ein gutes Einleben in einem fremden Land ist häufig auch mit dem Erlernen der fremden Sprache gepaart. Justyna besuchte Sprachkurse, fand Arbeit, merkte aber schnell, dass sie wenig Chancen hatte, in ihrem ursprünglich Studienfach, der Forstwirtschaft, Fuß zu fassen. Somit entschied sie sich für ein weiteres Studium – Soziale Arbeit an der Fachhochschule in Wolfenbüttel. Während ihres Anerkennungsjahres arbeitete sie für das Büro für Migrationsfragen der Stadt Braunschweig. Der anschließende Einstieg in dieses Arbeitsfeld im Mütterzentrum war geebnet.

Wie kann geholfen werden?

Wie sehen die Fragen aus, bei denen Justyna hilfreich zur Seite steht? Im Vordergrund steht bei EHAP das Wohl der Kinder in der Alersgruppe Geburt bis Schulbeginn. Erfährt Justyna von einer neu zugezogenen osteuropäischen Familie in Salzgitter, bemüht sie sich um Kontaktaufnahme. Sie überreicht das Begrüßungspaket der Stadt Salzgitter und bietet ihre Unterstützung an, was von den Familien in der Regel als sehr positiv empfunden wird.

Das Begrüßungspaket der Stadt Salzgitter Bild vergrößern

Das Begrüßungspaket der Stadt Salzgitter mit Informationsmaterialien, Kinderlöffelchen, Quietscheente und Söckchen für die Kleinsten in der Familie

Zunächst geht es vielleicht um ganz allgemeine Dinge, zum Beispiel Informationen zu Mutter-Kind-Spielkreisen, Kinderturngruppen oder anderen Freizeitaktivitäten. Das Ausfüllen von Anträgen (wie auf Kindergeld) ist ohne ausreichende Sprachkenntnisse häufig problematisch. Justyna informiert über das Elternportal und hilft bei der Ameldung für einen Krippen-, Kindergarten- sowie Schulplatz oder unterstützt bei der Suche nach einer Tagesmutter. Die Familien wenden sich aber auch mit Erziehungsfragen an sie oder es gibt kompliziertere Sachverhalte, wie die Begleitung zu Beratungsgesprächen zum Unterhaltsvorschuss im Jugendamt. Wie oft und wie lange eine Familie Justynas Beistand in Anspruch nimmt, das ist individuell sehr unterschiedlich. Ob sie diese Dienstleistungen beim HERTA-Treff anbieten kann oder ob sie die Familie zu Hause besucht oder Behördengänge mit ihr erledigt, auch das variiert von Fall zu Fall.

Kommunikation auf vielfältige Art und Weise

Bedingt durch ihre sprachlichen Kompetenzen ist Justyna natürlich insbesondere für polnische Familien eine große Hilfe. Allerdings richtet sich die EHAP-Unterstützung selbstverständlich genauso gut auch an BulgarInnen, RumänInnen, UngarInnen und Menschen aus weiteren osteuropäischen Ländern. Aber wie macht man das, wenn man selbst weder Slowakisch oder Kroatisch spricht, jedoch eine Familie aus diesem Land um Unterstützung bittet?

„Mit Händen und Füßen“, erwidert Justyna lächelnd. „Mal Wort für Wort mit dem Google-Übersetzer. Oft ganz niedrigschwellig, da kommt es auf die Fragen oder Sachverhalte an. Manchmal kann ein/e freiwillige/r HerlferIn vermitteln, der oder die die Sprache beherrscht. Eher ungern greifen wir auf die Hilfe von älteren Geschwisterkindern zurück. Die können häufig die Sprache zwar schon besser als die Eltern, sind in der Übersetzerrolle jedoch oft auch überfordert. So kann gleich von Anfang an Missverständnissen entgegengewirkt werden. Beispielsweise wundern sich polnische Eltern darüber, dass Kindergartenerziehung in Deutschland viel spielerischer als in Polen erfolgt. Zudem erwarten deutsche Kindergärten im Gegenzug viel mehr Elterninitiative, als das in Polen so üblich ist. Manchmal kann da ein Gespräch auf Polnisch schon vieles klären.“