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Eine Initiative starker Frauen
Die Mütterzentren von SOS-Kinderdorf
„Salzgitter – das ist das Vorzeigeobjekt hier in Deutschland“, sagt Susanne Trauer, „das Lebendigste, was es gibt.“ Salzgitter ist Vorbild für Zwickau. In Salzgitter wurde 1980 das erste Mütterzentrum Deutschlands gegründet, über 300 weitere folgten. Drei davon gehören zum SOS-Kinderdorf e.V.: Neben dem SOS-Mütterzentrum in Salzgitter das Mütter- und Kindertageszentrum in München und das SOS-Mütterzentrum Zwickau.
Die Einwohner verschwanden - und zugleich die Zukunftsperspektiven
Deutschland 1991: Zwickau war schnell von 130.000 Einwohnern auf 97.000 geschrumpft. Genauso schnell wie die Einwohner verschwanden damals auch die Chancen auf Arbeit, auf eine Zukunft, auf eine Perspektive. Susanne Trauer ist Mitbegründerin des SOS-Mütterzentrums Zwickau - eine Frau voller Energie.
Kurz nach der Wende hatte sie Pläne - beruflich, für sich selbst: Sie wollte im Westen studieren, hatte sich schon eine Uni und einen Studiengang ausgesucht. Dann erfuhr Susanne Trauer, dass sie schwanger war. Also ging sie zurück nach Zwickau zum Vater ihres Kindes, das war ihr wichtig. Sie freuten sich auf das Kind, auf die Zukunft. Nur die Aussagen von Freundinnen oder Bekannten machten sie nachdenklich: „Wart’s nur ab, wenn das Kind erst einmal da ist, sitzt du zu Hause, machst den Haushalt und kümmerst dich um die Kinder, während sich dein Mann selbstverwirklicht.“ „Ich dachte nur: Nee! Das kann nicht sein. Die Bedingungen für junge Frauen müssen sich ändern!“, sagt Susanne Trauer heute. Sie hatte sich immer politisch engagiert und im Ausland gesehen, wie wichtig konkrete Hilfe ist.
Was brauchen wir? Wir als Frauen?
In Zwickau stand sie mit ihren Bemühungen nicht alleine da. Sieben Frauen waren es, die etwas verändern wollten. Sie fragten sich:„Was brauchen wir? Wir als Frauen? Wir als Mütter?“ Die Antwort war überraschend einfach: „Wir brauchen einen Ort, wo wir uns treffen können!“ Bei jemandem Zuhause? Nein, das war zu privat, es sollte ein öffentlicher Raum sein. In einer Kneipe? „Nein, dort wurde damals noch geraucht, man musste Getränke konsumieren, die Kinder konnten sich nicht frei bewegen.“
Und dann trafen die sieben Frauen Hildegard Schooß, die Gründerin und damalige Leiterin des SOS-Mütterzentrums Salzgitter und Mitherausgeberin des Buchs „Mütter im Zentrum, Mütterzentrum - Bilanz einer Selbsthilfebewegung“.
Gelebte Beratung und gegenseitige Hilfe
Aus der Bewegung entwickelte sich eine lebhafte Zusammenarbeit. „Die Chemie hat sofort gestimmt“, sagt Susanne Trauer. Beiden Seiten ging es nicht um Geld, nicht um Bevormundung, sondern um gegenseitige Hilfe und Beratung. So, wie sie heute in den drei SOS-Mütterzentren gelebt werden: „Wir fragen nicht zuerst nach dem Papier, auf dem steht, was jemand kann“, sagt Gabriele Friedrich, Leiterin des Mütterzentrums Zwickau. „Auch Laien besitzen Lebenserfahrung. Als Mutter, als Frau, als Mensch. Bei uns werden keine großen Reden geschwungen, sondern handfeste Hilfen gegeben.“
Jeder bringt ein, was er kann. Im Gegenzug bekommt jeder konkrete Unterstützung, wird in seinem Wirken bestärkt und ernst genommen. Die SOS-Mütterzentren – eine Initiative starker Frauen für die gesamte Familie.