Bleistift

Thea Jühe schenkte Kindern ein Zuhause

Mit ihrem Vermögen erfüllte sich Thea Jühe einen Herzenswunsch. Und gibt bis heute vielen Kindern eine neue Perspektive. "Schnell, kommt mal hier her, ein Pfauenauge", aufgeregt ruft Greta ihre Freunde Simon und Lea. Rasch eilen die beiden über die Wiese zu dem Haselnussstrauch und bewundern das seltene Exemplar. Behutsam streckt Lea ihren Finger vor und lacht. Der Schmetterling flattert in die Luft und setzt sich auf die kleine Kinderhand.

Spielende Kinder im Wald Könnte Thea Jühe die Szene beobachten - sie würde sich genauso innig freuen, wie "ihre kleinen Waldgeister". Eine behütete Kindheit, Geborgenheit und Menschen an der Seite zu wissen, die für einen da sind, zuhören, mit einem lachen und die Welt entdecken. All das durfte Thea Jühe erfahren. Mit ihrem Mann Paul Otto Jühe trifft sie - wie sie selbst sagt - die Liebe ihres Lebens. "Diese Erfahrung von Liebe, Geborgenheit und einem Zuhause wollte Thea Jühe an andere weitergeben", erinnert sich Jörgen Schneider, Rechtsanwalt und späterer Testamentvollstrecker der Jühes.

Als Paul Jühe 1976 stirbt, hinterlässt er seiner Frau ein beträchtliches Vermögen. Nach dem Krieg hatte der Kaufmann in den 50er Jahren ein Unternehmen gegründet und über zwei Jahrzehnte hinweg erfolgreich geleitet. "Thea Jühe wollte bereits zu Lebzeiten im Sinne ihres verstorbenen Mannes helfen. Sie erkundigte sich nach einer gemeinnützigen Organisation, die sich für benachteiligte, elternlose Kinder engagiert", erzählt Jörgen Schneider.

Von der SOS-Kinderdorf-Idee - ein Kind braucht eine Mutter, Geschwister, ein Haus und ein Dorf - ist Thea Jühe sofort angetan. Gespräche mit Hermann Gmeiner, dem Gründer von SOS-Kinderdorf, festigen ihren Entschluss. Bei einem Besuch des nahe gelegenen SOS-Kinderdorfs Pfalz fällt die Entscheidung. Der freundliche Empfang, die glücklichen Kinderdorffamilien, die herzliche Atmosphäre und für jedermann spürbare Geborgenheit begeistern und überzeugen sie.

Glück ist etwas, was sich vermehrt, wenn man es teilt. Auch Thea Jühe konnte erleben, dass ihre Hilfe anderen Menschen Freude bereitet und etwas positiv verändert", erzählt Jörgen Schneider. "An ihrem 90. Geburtstag überraschten sie die Kinderdorfmütter, deren Häuser durch ihre Spende erweitert wurden. Die Dankbarkeit und Freude darüber, dass weitere Kinder durch den Anbau ein neues Zuhause gefunden haben, machten alle glücklich."

Die Begegnungen mit den Menschen im SOS-Kinderdorf berührten Thea Jühe so nachhaltig, dass sie den Verein schließlich auch zu ihrem Alleinerben ernannte. Ihr letzter Wille, mit ihrem Vermögen eine unbürokratische, schnelle Hilfe zu leisten, ging in Erfüllung. SOS-Kinderdorf finanzierte den notwendigen Ausbau der Kindertagesstätte im SOS-Kinderdorf Brandenburg. Heute erinnert eine Gedenktafel im Eingangsbereich an die großzügige Spende "für ihre kleinen Waldgeister". "Wenn sie die Kinder sehen könnte, die inmitten des Landschaftsschutzgebiets in dem kleinen Naturparadies herumtollen, sie hätte ihre wahre Freude daran gehabt", freut sich Jörgen Schneider. "Auch fast 15 Jahre nach ihrem Tod, kommt ihre Hilfe dort an, wo sie am dringendsten gebraucht wird, bei den Kindern!"