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Eine Liebe aus dem SOS-Kinderdorf
Anita Ackermann und Axel Elster lernten sich im SOS-Kinderdorf Worpswede kennen
Axel Elster war zehn Jahre alt, als das SOS-Kinderdorf Worpswede sein neues Zuhause wurde. Mit 14 „verguckte“ er sich in die gleichaltrige Anita Ackermann, die zusammen mit ihren beiden leiblichen Brüdern und drei anderen Geschwistern in der Nachbarfamilie lebte. Anita war es furchtbar peinlich, wenn Axel ihr Zettel mit Liebesbotschaften in die Schuhe steckte und ihr kleine Geschenke machte. „Für die anderen war man sofort ein Paar, wenn Mädchen und Junge in diesem Alter befreundet waren und das wollte ich nicht“, erzählt Anita Elster rückblickend. Mit Beendigung seiner Tischlerlehre und dem Auszug aus dem SOS-Kinderdorf in eine eigene Wohnung begann für Axel Elster ein neuer Lebensabschnitt. „Anita hatte ich da ehrlicherweise schon abgeschrieben“, erzählt er. Die merkte allerdings, erst als Axel nicht mehr nebenan wohnte, wie sehr er ihr fehlte. „Also schrieb ich ihm einen Brief und entschuldigte mich bei ihm“.
Danach ging es schnell: Nach einem halben Jahr waren sie verlobt, dann zog Anita zu Axel in die Wohnung und zwei Monate später heirateten sie. Am Valentinstag! Anita Elster, die damals gerade ihren Berufsabschluss als Floristin machte, wusste zwar, dass sie an diesem Tag selten freihaben würde, aber die Symbolik dieses ganz besonderen Tages war es ihr wert.
Eine ganz normale Familie
Wenn man das Ehepaar heute in seinem Bungalow in Hüttenbusch bei Worpswede besucht, begrüßen einen ihre 10-jährige Tochter Jasmin und der große Hovawart-Rüde Noah tobend im großen Garten. Eine ganz normale Familie. Daran hat das SOS-Kinderdorf, in dem die beiden aufwuchsen, einen großen Anteil. Erst in der Geborgenheit ihrer Kinderdorffamilien konnten Anita und Axel eine unbeschwerte Kindheit erleben und bekamen die Möglichkeit, ihren Realschulabschluss und eine Lehre zu machen.
„Als ich als fast Siebenjährige ins Kinderdorf kam, konnte ich weder richtig laufen noch richtig sprechen“, erinnert sich Anita Elster. Ihre Eltern waren beide alkoholabhängig und lebten mit ihren fünf Kindern am Rande der Gesellschaft. Das Jugendamt entschied, dass die drei jüngeren Geschwister in ein SOS-Kinderdorf kamen. Die beiden jüngeren Brüder Anitas leben heute ebenfalls noch in Worpswede und halten, wie Anita, den Kontakt zu ihrer ehemaligen SOS-Kinderdorfmutter Hannelore von Söhnen.
Zu Festtagen kommt die ganze Familie zusammen
An Weihnachten, Ostern und Geburtstagen ist es für das Ehepaar Elster ganz selbstverständlich, dass sie ihre SOS-Kinderdorfmütter besuchen. Für ihre Tochter Jasmin sind die beiden und ihre Ehemänner Oma und Opa. Jedes Jahr im Sommer organisiert Hannelore von Söhnen im Bremer Bürgerpark ein großes Treffen für ihre ehemaligen SOS-Kinder und deren heutigen Familien. „Alle, die es irgendwie einrichten können, kommen vorbei und dann sitzen wir bis spätabends zusammen und haben viel Spaß“, erzählt Anita Elster.
Eine Selbstverständlichkeit: anderen helfen
Bereits als 12-Jähriger im SOS-Kinderdorf trat Axel Elster in die Freiwillige Feuerwehr Worpswede ein. Seit nun sechs Jahren ist er ihr ehrenamtlicher Gemeindebrandmeister und leitet mit viel Engagement die Einsätze. Allein 134 Mal mussten er und seine Mannschaft im vergangenen Jahr ausrücken. Bald wird seine Ehefrau auch bei dieser ehrenamtlichen Tätigkeit an seiner Seite sein: „Ich wollte schon als kleines Mädchen zur Feuerwehr, aber damals nahmen sie noch gar keine weiblichen Anwärterinnen“, erinnert sich Anita Elster. Zunächst heimlich, um ihren Mann zu überraschen, meldete sie sich im Nachbarort bei einem Lehrgang an.
Jetzt scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann auch Tochter Jasmin in die Fußstapfen ihrer Eltern tritt. Ihr Vater fände es gut, „denn leider wird das Miteinander heute immer weniger. Bei der freiwilligen Feuerwehr hingegen knüpft man schnell Kontakte und jeder setzt sich für den anderen ein“. Bei diesen Worten merkt man, dass Axel Elster mit seinem Einsatz für andere, etwas von dem weitergeben möchte, was ihm selbst in seiner eigenen Kindheit und Jugend im SOS-Kinderdorf Worpswede so sehr half.