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SOS-Kinderdorf als Ausgangspunkt

Das ehamlaige SOS-Kinderdorfkind Claudia Kück mit Tochter und Sohn Claudia Kück wuchs im SOS-Kinderdorf Worpswede auf

Die räumliche Nähe zum SOS-Kinderdorf Worpswede ist eher Zufall. Claudia Kück lebt mit ihrer Familie in Überhamm, nur wenige Kilometer entfernt von dem Ort, an dem sie eine unbeschwerte Kindheit und Jugend verlebte.

Die offene und fröhliche 39-Jährige erzählt ein wenig stolz, dass sie und ihre Schwestern, bis auf eine Ausnahme, dem Landkreis Osterholz immer treu geblieben sind. Die Mädchen sind in Osterholz-Scharmbeck aufgewachsen.

Der Umzug war eine Befreiung

Beim Erzählen über die Ursachen, warum sie und ihre drei Schwestern ins Kinderdorf kamen, wird Claudia Kück nachdenklich. Sachlich schildert sie ihre Familiengeschichte: von Eltern, die viel zu jung waren und Probleme mit dem Alkohol hatten, und von ihrer Oma, die versuchte, für die Mädchen den besten Weg zu finden. Liebevoll erzählt Claudia Kück, dass die Oma „sehr nah am Geschehen“ war. Sie unterstützte die Kinder, wo sie nur konnte und war einfach da für sie. Später haben die Mädchen auch ein Jahr bei ihr gelebt, bevor sie in das SOS-Kinderdorf Worpswede umziehen konnten.

Es war die Großmutter, die sich um die Aufnahme der Kinder im Dorf bemüht hatte, und nach einiger Wartezeit war es so weit. „Als ganz neue Familie, mit neuer Mutter, sind wir in das renovierte Haus 6 eingezogen“, erzählt Claudia Kück lächelnd. Das war im Sommer 1983. Sie war zu diesem Zeitpunkt elf Jahre alt, und ihre jüngste Schwester war fünf. Für sie, die älteste der Schwestern, bedeutete der Umzug eine große Befreiung, denn erst von da an konnte sie das unbeschwerte Leben einer Jugendlichen führen. Bis dahin habe sie die Rolle der Ersatzmutter für ihre drei Geschwister übernommen, schildert sie, und: „Meine jüngeren Schwestern waren auf mich fixiert.“

Wege finden - mit einem und vor allem: für einen selbst

Kinderdorfkinder aus Worpswede dürfen auf dem Traktor mitfahren Über ihr Verhältnis zur SOS-Kinderdorfmutter, die inzwischen nach Hannover zurückgegangen ist, erzählt Claudia Kück schmunzelnd und fast bedauernd: „Sie hat es ganz schön schwer gehabt mit uns.“ Damit meint sie nicht das Verhalten, denn sie bezeichnet die Schwestern im Rückblick als „ziemlich unauffällige Kinderdorfkinder“. Vielmehr ging es darum, dass die Ersatzmutter immer in Konkurrenz zur Großmutter stand. Für Claudia Kück war die Großmutter der erste Ansprechpartner und für ihre Schwestern nennt sie die Reihenfolge: „Erst ich, dann meine Oma, dann die Kinderdorfmutter.“

Im Rückblick waren die fünf Jahre im Kinderdorf in der Straße Weyerdeelen für Claudia Kück eine gute Zeit. Dankbar erzählt sie von der Unterstützung, die sie bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz bekam. 1988 musste die Ausbildung zur Altenpflegerin noch privat finanziert werden, doch mit Hilfe des SOS-Kinderdorfes konnte sie sich diesen Traum erfüllen. Sie sagt: „Das Kinderdorf war immer sehr bemüht, Wege mit einem und für einen zu finden.“

Sie hat ihren Platz im Leben gefunden

Überhaupt hat sie für ihr Leben bis heute das Fazit gezogen, dass die richtigen Menschen in ihr Leben kamen, wenn sie Hilfe zur Selbsthilfe brauchte. Ein Standpunkt, zu dem sicher auch das SOS-Kinderdorf einen wesentlichen Beitrag geleistet hat.

Claudia Kück hat ihren Platz im Leben schon lange gefunden. Sie ist froh, „aus dem Scherbenhaufen gesund herausgefunden zu haben“. Die heute 39-Jährige erzählt vom Hungern in der Kindheit und von Eisblumen an den Fenstern. Ganz anders ihr Zuhause heute. Sascha und Ronja wuseln fröhlich durchs Haus, während die beiden älteren Brüder noch in der Schule sind. Es ist zu spüren, dass Claudia Kück ihren Kindern eine liebevolle Mutter ist. Das Elternhaus ihres Mannes hat das Ehepaar ansprechend modernisiert und seit einigen Monaten arbeitet sie nach Kinderpause und Tätigkeit als Tagesmutter wieder in ihrem Beruf als Altenpflegerin. Sie sagt: „Ich gebe gern anderen Menschen etwas zurück, wenn es sich anbietet.“

SOS Kinderdorf dankt dem Weser Kurier und der Autorin Undine Zeidler für die Abdruckgenehmigung dieses Artikels.