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SOS-Kinderdorf in Haiti: Langfristige Hilfe für den Wiederaufbau
Rund 290 unbegleitete und verwaiste Kinder werden zurzeit im SOS-Kinderdorf in Santo versorgt, allein Mitte Februar wurden 126 Kinder aus Notcamps aufgenommen, 100 werden folgen. Derzeit können über 9.000 Kinder in 66 Gemeinschaftszentren in benachbarten Vierteln des SOS-Kinderdorfes täglich mit Essen versorgt werden, bei Bedarf werden die Kinder auch medizinisch betreut. Ziel des Programms von SOS-Kinderdorf ist es, in den kommenden Wochen die Basisversorgung von insgesamt 40.000 Kindern sicherzustellen.
Betreuung von unbegleiteten und verwaisten Kindern
Bei vielen der aufgenommenen Kinder ist noch nicht geklärt, ob es Familienangehörige gibt, die die Fürsorge übernehmen können oder ob überhaupt jemand aus ihrer Familie das Erdbeben überlebt hat. Bei einigen Kindern steht mittlerweile fest, dass sie keine Verwandten mehr haben, andere wurden von Angehörigen ins SOS-Kinderdorf gebracht, weil sie derzeit unter den schlechten Bedingungen nicht in der Lage sind, ausreichend für die Kinder zu sorgen. In den SOS-Familien werden statt bis zu neun Kindern pro Familie 20 Kinder betreut - von jeweils einer SOS-Mutter und zwei Familienhelferinnen. Alle weiteren unbegleiteten Kinder, die in den kommenden Tagen und Wochen kommen, werden in stabilen Fertigteilhäusern untergebracht, die auf dem Fußballplatz des SOS-Kinderdorfes errichtet wurden.
Bei ihren Besuchen in den Zeltlagern registrieren die SOS-Teams viele Kinder, die ernsthaft unterernährt und dehydriert sind, viele sind so schwer krank, dass befürchtet werden muss, dass sie sterben werden. Mit jenen Kindern, die bereits vor dem Erdbeben im SOS-Kinderdorf in Santo in einem Außenbezirk von Port-au-Prince gelebt haben, werden nun insgesamt 437 Kinder am Standort in Santo betreut.
Grundversorgung von bis zu 40.000 Kindern sicherstellen
Vor dem Erdbeben hat SOS-Kinderdorf durch 16 so genannte Community Centers Familienhilfe geleistet. Diese Zentren fördern die Selbstorganisation und Selbsthilfe der Gemeinden und lokalen Gemeinschaften, SOS-Kinderdorf steht stets beratend und begleitend zur Seite und bietet zusätzlich über ein Sozialzentrum Hilfestellung für Familien. Nach dem Erdbeben hat sich die Anzahl dieser Zentren dramatisch erhöht, mittlerweile gibt es insgesamt 66 derartige Standorte, an denen täglich über 9.000 Kinder versorgt werden. Wenn das Nothilfeprogramm von SOS-Kinderdorf in den kommenden Wochen seinen vollen Umfang erreicht hat, werden 266 Zentren für die Versorgung von rund 40.000 Kindern errichtet worden sein.
Täglich versorgen Mitarbeiter von SOS die Zentren mit Nahrungsmitteln für mehrere Tage. SOS-Teams bieten die Möglichkeit für individuelle Betreuung und Gespräche. Durch die Vernetzung mit den Gemeinden ist es möglich, Kinder zu identifizieren, die keine unmittelbare Betreuungsperson haben und/oder besonders hilfsbedürftig sind. Wenn notwendig, nimmt SOS-Kinderdorf diese Kinder in das temporäre Schutzprogramm in Santo auf. Im Rahmen des Nothilfeprogramms in Haiti wird dadurch sichergestellt, dass die Hilfe direkt den betroffenen Kindern und Familien zugute kommt, dass Hilfsgüter nicht anderweitig verwendet werden und dass sich Gemeindestrukturen bilden und mittelfristig wieder gemeinsam Verantwortung für den Wiederaufbau getragen wird.
Wiederaufbau unter dem Aspekt der Kinderhilfe
Für die Zeit nach der akuten Nothilfe und der mittelfristigen Hilfe, die die Basisversorgung von Kindern garantieren soll (anberaumt für zwei Jahre), plant SOS-Kinderdorf ein umfassendes Wiederaufbauprogramm in einem Zeitraum von zehn bis zwölf Jahren. Schwerpunkte sollen sein: eine familiennahe Betreuung und Einrichtungen für Kinder ohne elterliche Fürsorge; der Bau von Familienhäusern und Schaffung kinderfreundlicher Räume (Spielplätze u.a.); der Bau und die Inbetriebnahme von Schulen sowie der Aufbau von Know-how im schulischen Sektor; die Errichtung von Gesundheitszentren mit besonderem Schwerpunkt auf eine Mutter-Kind-Versorgung; ein Wissenstransfer und Schulungen im öffentlichen Sektor im Bereich Kinderrechte und Kinderschutz sowie umfangreiche Fördermaßnahmen für Kinder.