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"Irgendwann bleibt der Kühlschrank leer"
Im vergangenen Winter ging Thomas* im T-Shirt zur Schule. Seine Finger waren oft starr vor Kälte und der Neunjährige war ständig krank. Um nicht allzu sehr frieren zu müssen, suchte er sich im Klassenzimmer einen Platz nahe an der Heizung. Thomas besitzt weder Pullover noch Jacken. Auch für Winterstiefel fehlt seiner Familie das Geld. Thomas Eltern sind arm und schämen sich dafür. Deshalb baten sie lange keinen um Hilfe.
„Auch in Deutschland gibt es arme Menschen“, erklärt Wolfgang Edlinger, Leiter der SOS-Jugendhilfen Saarbrücken. „Und es werden immer mehr.“ Thomas' Beispiel ist nur eines von vielen. Vor allem jungen Eltern und Alleinerziehenden fehle es oft am Geld. Die Kinder bekämen das meist besonders deutlich zu spüren. Bei manchen bleibt der Kühlschrank irgendwann einfach leer oder es gibt wochenlang Nudeln mit Tomatensoße.
Auswege aus der Not
Längst sind nicht mehr nur die Menschen in den sozialen Brennpunkten von Armut betroffen. Wolfgang Edlinger hat beobachtet, dass auch die sogenannte Mittelschicht immer stärker darunter leidet. Der Pädagoge sieht sich als Lobbyist für betroffene Kinder und Jugendliche. Ihnen möchte er eine Stimme und – wenn möglich – auch eine Perspektive geben. Er berät sie und sucht gemeinsam mit ihnen nach Auswegen aus der Not.
Auch für Gabriele Friedrich vom SOS-Mütterzentrum in Zwickau ist der Begriff „Kinderarmut“ ein Stück Alltag. „Natürlich fällt uns auf, dass manche Kinder am Donnerstag später kommen, weil sie vorher noch ihren Müttern helfen, das Essen von der Zwickauer Tafel nach Hause zu tragen.“ Obwohl es vielen Eltern sehr unangenehm sei, zuzugeben, dass zuhause das Geld fehle, höre sie in letzter Zeit immer öfter den Satz „Das können wir uns nicht leisten.“
Die Gemeinschaft stärken
Das SOS-Mütterzentrum-Zwickau hat sich auf die neue Situation eingestellt, mit kostenlosem Essen für Schüler aus sozialschwachen Familien, kostenloser Kinderbetreuung und vielen anderen Angeboten. Eines ist den Organisatorinnen allerdings wichtig. Sie wollen weder Suppenküche sein, noch Almosen verteilen. Ein Beispiel: Wer im Rahmen des Projektes "Brotkorb" umsonst essen möchte, hilft beim Kochen oder deckt den Tisch. „Bei uns kann sich wirklich jeder einbringen“, erklärt Gabriele Friedrich. „So wird die Gemeinschaft stärker und Geld ist nicht mehr ganz so wichtig.“
*Name von der Redaktion geändert