20. 10. 2017

Bester Döner und Brandenburger Tor

Berlin_weg

Sommerzeit – ist auch für die“ interkulturelle Wohngruppe Kaiserslauterer Straße“ im SOS-Kinderdorf Saarbrücken Reisezeit. Aus diesem Grund machen sich die Jugendlichen und ihre BetreuerInnen auf den Weg in die Hauptstadt.

„Für die Jungs aus unser Wohngruppe sind alle deutschen Großstädte sehr attraktive Reiseziele“, sagt Jennifer Kuhn, eine der BetreuerInnen der Wohngruppe in Saarbrücken. „Die meisten kennen den Reiz größerer Metropolen oft durch ihre Fluchterfahrungen – wenn auch aus einer ganz anderen Perspektive“. Die acht Jungs und ihre drei Betreuerinnen reisten deshalb in der Ferienfreizeit nach Berlin. Der 16-jährige Metin freute sich ganz besonders auf diese Reise: „Hier zu Hause ist es oft auch langweilig in den Ferien, aber in Berlin ist einfach mehr los.“ Dem ließ sich nicht so ganz viel Gewichtiges entgegen halten, als es Anfang August, per Bahn in aller Frühe, auf den langen Weg ging.
Ihren Standort für die Dauer der Ferienfreizeit bezog, die von der Reise erschöpfte Gruppe, im A&O Hostel. „Diese ganz tolle Möglichkeit der kostenlosen Zimmerkontingente, die das Ressort Marketing mit der Hotelkette zuvor verhandelte, hat die Reise für uns finanziell erst ermöglicht“, weiß Dennis Müller, der die Arbeit und den Einsatz des Teams koordiniert. „Halbpension mit großem Frühstücksbuffet ist eine Verpflegungssituation, die den immer hungrigen Jungs sehr entgegen kam.“

Schon die erste Stärkung ist ein Highlight

Allerdings war nach der Ankunft noch kein Essen gerichtet und so war es unabwendbar, dass der erste Reisehöhepunkt die gemeinsame Stärkung in einen Kebab Laden um die Ecke war. Dort hatte Mustafa den besten Döner seines Lebens gegessen und Kuhn fügt schmunzelnd hinzu: „Seinem Urteil kann man trauen, er ist in Sachen Döner-Test einer der Erfahrensten.“ Nach kurzem „Powernapping“ steuerten die Hauptstadtbesucher den Alexanderplatz an. Dieser wurde auf Grund der kurzen Entfernung zum Hotel als allgemeiner Sammel- und Treffpunkt während der gesamten Freizeit auserkoren.

Am Folgetag standen weitere Highlights an, welche zuvor in gemeinsamen Besprechungen in der Wohngruppe, anhand von Internetrecherchen der Jugendlichen, festgelegt wurden. „Solche Aktionen nutzen wir gemeinsam mit unseren SprachlehrerInnen aus dem SOS-Sonderfonds-Modellprojekt zum Deutschlernen.“ Morgens, am Tag des Zoo-Besuchs, wurden die Handy-Wecker schon sehr früh gestellt. „Die beiden neuen Pandabären, für die wir mit vielen anderen Besuchern extra anstehen mussten, waren alleine schon den Besuch wert“, sagt Oliver und fügt hinzu: „Obwohl die Pandas ja fast den ganzen Tag schlafen, war es was ganz Besonderes sie zu sehen“. Trotz langer Zoo-Runde waren die jungen Reisenden nicht zu müde für eine kleine Shopping-Tour, denn sowohl FreundInnen, als auch Familienangehörige sollten mit kleinen Reisegeschenken aus Berlin bedacht werden. Nur ganz harte Jungs, wie der nimmermüde Milad, schafften anschließend sogar noch eine Partie Billard in der Hotel-Lobby.

Gruseln und Schnappschüsse

Weiter ging es in der Woche mit Gruseln im Berlin Dungeon und dem dazugehörigen Free-Fall-Tower. „Die wirklich krassen Schnappschüsse, die von uns während des Fallens gemacht wurden, sind sehr witzige Andenken an unsere Ferienfreizeit“, freut sich Hossein. Auch ein Freiluftkinoabend mit dem Film „SMS für Dich“ stand auf dem Programm. „Für die Jungs war das ein Experiment“, sagt Cynthia Grill, die als Erzieherin im Anerkennungsjahr dabei war. „Da es weniger um Action, worauf die Jungs natürlich alle stehen, sondern um Trauer und Liebe ging.“ Dass die Planung der Pädagogen und Pädagoginnen doch aufging, zeigte sich an Mustafas großem Interesse und seinen häufigen Nachfragen. Bei den anderen löste er einiges an Nachdenklichkeit aus. „Sowas können wir dann immer gut in die pädagogischen Gespräche im Anschluss einfließen lassen.“

Der Besuch des Brandenburger Tores und die „Besteigung“ des Fernsehturmes wurden ebenfalls in die volle Woche gepackt. Für viel Gelächter sorgte die Tatsache, dass die Jungs die S-Bahn, welche sie von der Plattform aus sahen, mit  „Saarbahn“ benannten, da dies das vertraute Mini-Pendant in Saarbrücken ist. Der Abschlussabend wurde mit dem Besuch eines persischen Restaurants gefeiert. Bei der Auswahl der exotischen Gerichte konnten die Jugendlichen die Betreuer und Betreuerinnen gut unterstützen. „Wie schmeckt wohl Cucu-e-gerdu“, fragte Cynthia Grill hilfesuchend und bekam fachmännische Auskunft von Mustafa.

Rückschau voller Zufriedenheit

Ausgestattet mit Lunchpaketen vom Hotel trat die Gruppe am folgenden Morgen wieder auf Heimreise an. Nach der Bahnfahrt, die alle Anwesenden zur Erholung nutzten, wartete der besonderer Abholservice von der Erzieherin Sarah Khalid in Saarbrücken am Bahnhof. Sie wurde überhäuft von Geschichten der Großstadtreisenden auf dem Weg in die Wohngruppe. „Unser gemeinsamer Gruppenabend, ein festes Instrument unserer Beteiligungskonzeption, wurde ausschließlich der zufriedenen Rückschau gewidmet“, sagt Khalid und Hossein ergänzte entschieden: „Berlin ist schön für eine Reise, aber Saarbrücken ist schöner zum Leben!“

„Es war, als wäre ich schon ewig mit Euch in der Gruppe“, sagt Cynthia Grill, die die Reise dazu nutzen konnte, sich intensiv in die pädagogische Arbeit mit der Gruppe und ins Team einzuleben. Sie freut sich über die vielfältigen, positiven Erlebnisse und die in sehr kurzer Zeit gewachsenen Beziehungen. „Das sind Effekte, wie sie nur bei erlebnispädagogischen Events möglich sind. Deshalb setzen wir uns auch alle für den Erhalt der manchmal auch nicht ganz so preiswerten jährlichen Aktionen ein“, sagt René Rüsbüldt als langjährig erfahrenes Teammitglied. Oft gelingt es eben nur durch das Zutun von Spendern und Spenderinnen, Paten und Patinnen,  solche wertvollen Hilfen finanziell gemeinsam zu stemmen.