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Das SOS-Kinderdorf Pfalz im Videoporträt
Im SOS-Kinderdorf Pfalz kümmert sich SOS-Kinderdorfmutter Barbara Schnelting bereits um die 3. Generation SOS-Kinderdorfkinder und hat jede Menge erlebt!


Ein SOS-Kinderdorf – 1957 können sich viele Menschen darunter noch wenig vorstellen. Schließlich ist es gerade einmal acht Jahre her, dass Hermann Gmeiner, der Gründer von SOS-Kinderdorf, das erste Kinderdorf erbaute. Es liegt im österreichischen Imst in Tirol. Doch Gmeiners Idee, Kindern ohne Zuhause eine neue Familie zu geben, statt sie in Heimen aufwachsen zu lassen, begeistert innerhalb weniger Jahre viele Menschen. 1955 gründet sich in München der deutsche SOS-Kinderdorfverein. Im gleichen Jahr erfolgt in Dießen am Ammersee die Grundsteinlegung für das erste SOS-Kinderdorf in Deutschland.

Porträt der Journalistin Else Dahlke Bild vergrößern

Die Journalistin Else Dahlke initiiert die Gründung eines SOS-Kinderdorfs in Eisenberg.

Nun soll auch in der Pfalz ein solches Kinderdorf entstehen. Die Journalistin Else Dahlke trägt diese Idee nach Eisenberg. Sie hat im gerade entstehenden SOS-Kinderdorf Schwarzwald Hermann Gmeiner selbst getroffen und ist von dessen Vision begeistert. In Eisenberg gewinnt Else Dahlke ihren guten Bekannten Willi Bechberger, den evangelischen Gemeindepfarrer, und dessen Schwager August Köhler für den Gedanken eines SOS-Kinderdorfs. Am 19. September 1957 treffen sich alle drei im evangelischen Pfarrhaus Eisenbergs. Energisch treiben sie ihr Vorhaben voran, gewinnen Freunde und Förderer. So kann Else Dahlke bald den Eisenberger Bürgermeister Josef Diehl für den Dorfgedanken begeistern. Gustav Eichling, Mitarbeiter der Stadtverwaltung, setzt sich ebenfalls für das Vorhaben ein und begleitet das Kinderdorf über viele Jahre hinweg. Sehr früh stoßen, von Pfarrer Bechberger angesprochen, auch Karin Freifrau von Gienanth und ihr Mann Ulrich zum Gründungsteam hinzu. Das Eisenberger Ehepaar unterstützt die Kinderdorfgründung finanziell und durch langjähriges Engagement. Bis 1974 bleibt insbesondere Karin von Gienanth dem Kinderdorf eng verbunden. Die Kinderdorfmütter finden in ihr eine Ansprechpartnerin mit wachem Interesse am Leben in den Kinderdorffamilien.
Vorträge und Filmvorführungen machen die SOS-Kinderdorf-Idee in der Region bekannt. Im Frühjahr 1958 bildet sich ein ehrenamtlich tätiger Arbeitskreis und die Pfälzer Außenstelle des SOS-Kinderdorf e.V. wird gegründet. Deren Leitung übernimmt Willi Bechberger. Der bereits 68-jährige August Köhler fährt unermüdlich über Land und wirbt in ganz Rheinland-Pfalz die zum Bau des SOS-Kinderdorf Pfalz nötigen Gelder ein. Die Stadt Eisenberg weist 32.000 m2 Baugrund für das Kinderdorf aus, die der Kinderdorfverein kauft. Unter der Leitung des damaligen Landrats Nicklas beginnt der Bauausschuss mit der Planung. Der „Steinert“ genannte Grund, damals noch ein ganzes Stück außerhalb der Stadt gelegen, macht seinem Namen alle Ehre: Das am Hang gelegene Waldgrundstück ist sehr felsig und vorerst nur über Feld- und Waldwege erreichbar. Dadurch gestaltet sich die Bebauung als anspruchsvolles Vorhaben. Trotzdem gehen die Arbeiten zielstrebig voran. Am 13. Juni 1959 feiert Eisenberg die Grundsteinlegung im Kinderdorf Pfalz, dem dritten SOS- Kinderdorf in Deutschland. Unter den zahlreichen Gästen ist auch Hermann Gmeiner. Er legt selbst den Grundstein für das erste Kinderdorfhaus.
Anfang Juli 1961 kehrt Leben ein ins SOS-Kinderdorf Pfalz. Drei Kinderdorfmütter beziehen mit ihren Familien die drei ersten Häuser. Die jungen Frauen kommen mit 24 Kindern aus Hurlach bei Landsberg (Bayern), wo sie ihre Familien aufgebaut haben. Solche Umzüge sind typisch für diese Anfangszeit, in der es noch wenige deutsche SOS-Kinderdörfer gibt. Oft warten Kinderdorfmütter dringend darauf, dass irgendwo ein Haus fertig wird. Die Eisenberger SOS-Kinderdorfkinder gehen von Anfang an in die Eisenberger Schulen. Anders als heute, wo die „Kinderdorfstraße“ nahtlos von einem Eisenberger Wohngebiet ins Kinderdorf übergeht, ist der Weg noch recht mühselig: Zwar sind nach dem zweiten Bauabschnitt 1962 weitere drei Häuser fertig, in die zwei Familien und der erste Dorfleiter einziehen.
Doch erst 1963 beginnen die Straßenarbeiten. Bis dahin gab es nur Feld und Waldwege zum und im SOS-Kinderdorf Pfalz.
Die Ausstattung der Häuser ist schlicht und zweckmäßig, doch gestalten die Kinderdorfmütter mit ihren Familien alles wohnlich und persönlich. Wie in vielen deutschen Familien verläuft das Leben in Punkto Komfort einstweilen eher einfach. Zwar stehen in den Kinderdorfhäusern von Anfang an Waschmaschinen – Telefon, Auto oder Fernseher lassen aber noch lange auf sich warten. Einkaufsfahrten erledigen die Kinderdorfmütter vorerst mit dem regelmäßig fahrenden Dorfbus. 1966, als der dritte Bauabschnitt zu Ende ist, ziehen weitere fünf Kinderdorffamilien ein. Inzwischen gehört zum Dorf auch ein eigenes, 1965 fertig gestelltes Gemeindehaus, der dorfeigene Kindergarten hat ebenfalls 1965 eröffnet. 1967 richtet der Lions
Club Neustadt, der dem SOS-Kinderdorf seit Jahren verbunden ist, Werkräume für die Kinder ein. Das Dorf wächst weiter: 1972 folgt ein Mitarbeiterwohnhaus, 1981 das Gästehaus. Im Laufe der Jahre entstehen nicht zuletzt vielfältige Spiel- und Sportplätze. Auch danach schreitet die Entwicklung des Kinderdorfes fort. Ende der 80er Jahre zeigt sich, dass es höchste Zeit ist, die älteren Familienhäuser zu modernisieren und zu erweitern. Drei Häuser erhalten einen Anbau mit drei Zimmern und einem zweiten Badezimmer. Bei fünf weiteren Häusern erlaubt die schlechte Substanz das nicht. Sie werden in den Jahren 2004 bis 2006 durch Neubauten ersetzt. Die neuen Häuser sind geräumig genug: Künftig könnten hier auch Ehepaare mit ihrer Kinderdorffamilie und eventuellen eigenen Kindern leben.