01. 12. 2017

Bangen trotz Fleiß, Integration und harter Arbeit

Sambou

Sambou aus dem Senegal droht die Abschiebung – mitten in der Ausbildung

Sambou kann aufatmen: Die drohende Abschiebung des  Senegalesen ist vorerst aufgeschoben. Allerdings nur für ein Jahr. Dann beginnt für den 20-Jährigen, der leidenschaftlich gerne Fußball spielt, viele Freunde hat und mitten in der Ausbildung zu seinen Traumberuf Zimmerer steckt, erneut das Bangen um seinen Aufenthalt in Deutschland. In den Augen seiner Betreuer bei SOS-Kinderdorf und seines Arbeitgebers ist das eine Katastrophe – nicht nur für Sambou, sondern für die Integration generell.

Sambou war einer der ersten unbegleiteten minderjährigen Asylbewerber im SOS-Kinderdorf

Sambou kam mit 17 Jahren von Senegal nach Deutschland – nach einer Flucht, bei der er Monate in einem lybischen Gefängnis verbrachte und wochenlang ohne Nahrung auskommen musste. Im November 2014 nahm ihn das SOS-Kinderdorf Ammersee-Lech als einen der ersten unbegleiteten minderjährigen Asylbewerber im Landkreis unter seine Fittiche. Im SOS-eigenen Unterricht und mit Hilfe seiner Freunde lernte Sambou schnell deutsch, startete bereits 2015 ins Berufsgrundschuljahr. Trotz intensivem Lernen schaffte er den Abschluss zwar nicht. Doch einen Ausbildungsvertrag hatte er ab September 2016 trotzdem in der Tasche.

Hoffen und Bangen: Zwei Jahre Lehrzeit verbleiben

Eine Zimmerei, bei der Sambou ein Praktikum absolvierte, hatte ihn empfohlen, erzählt sein Chef Thomas Novacek von der Rudolf Hörmann GmbH in Buchloe. Außerdem zeigte Sambou ein Interesse im Vorstellungsgespräch, das Novacek bei anderen Bewerbern oft vermisst. Mit seiner „sehr entgegenkommenden und freundlichen Art“ nahm Sambou seine Kollegen schnell für sich ein. Novacek hat den Abschluss des Ausbildungsvertrags deshalb nie bereut – bis jetzt. „Wir haben damit gerechnet, dass es nach Abschluss der Ausbildung eventuell Probleme geben könnte“, sagt er. Doch selbst da habe man sich „gute Chancen“ ausgerechnet, zumal Betriebe ja zur Integration aufgefordert werden. Novacek hätte jedoch nie gedacht, dass noch während der Ausbildung alles vorbei sein könnte. Denn Sambou hat nicht nur eines, sondern noch zwei Jahre Lehrzeit vor sich.

„Uns wird ein Stein nach dem anderen vor die Füße geworfen“, sagt Angelika Hammer-von Au

Wenn es bei der befürchteten Abschiebung während der Ausbildung bleibt, wird die Firma Hörmann wohl künftig eher keine Asylbewerber mehr einstellen. Schließlich sind die Auszubildenden eine „Investition in die Zukunft des Betriebs“, so Novacek, „doch das macht der Bürokratismus kaputt“. Und es ist nicht nur Sambou betroffen: Momentan droht mehreren von SOS-Kinderdorf betreuten Asylbewerbern die Abschiebung teilweise genauso mitten in der Ausbildung. Etliche der jungen Männer sind zudem auf der Suche nach einer Wohnung. Denn obwohl sich das Amt für Jugend und Familie sehr kulant zeigt, so SOS-Koordinatorin Angelika Hammer-von Au, müssen viele der mittlerweile erwachsenen Asylbewerber auf Grund ihres Alters nun aus den betreuten Jugendwohnungen ausziehen.

Die Firma Hörmann stellt Sambou zwar ein Zimmer auf dem Firmengelände in Buchloe zur Verfügung. Doch auch da gibt es Probleme: Sambou benötigt eine so genannte „private Wohnsitznahme“ und eine Genehmigung für eine Umverteilung, da er den Landkreis nicht einfach verlassen darf. Außerdem muss er bis Januar 2018 seinen Original-Pass aus Senegal beschaffen, was wohl sehr schwierig werden wird.

„Uns wird ein Stein nach dem anderen vor die Füße geworfen“, sagt Angelika Hammer-von Au, „dabei ist Sambou so zuverlässig, fleißig und gut integriert“. Für Sambou setzen sich deshalb nicht nur SOS-Kinderdorf und sein Arbeitgeber ein. Auch das Jugendamt sowie die Handwerkskammer wollen ihm helfen. Ebenso wie die Familie Stecher aus Pittenhart, die Sambou sogar adoptieren wollte, aber ebenfalls an der Bürokratie gescheitert ist.