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Kinder und Fernsehen: Tipps für Eltern zum richtigen Umgang mit dem Medium

Kinder wachsen heute in einer Gesellschaft auf, in der Fernseher zum Alltag gehören. Fernsehen ermöglicht in neue Welten einzutauchen, unterhält und vertreibt Langeweile. Fernsehen kostet aber auch Zeit, die dem aktiven Spiel von Kindern verloren geht.

Porträt Karin Jacob Für die kindliche Entwicklung ist vor allem das Entdecken und Erproben aller menschlichen Sinne, wie Hören, Riechen, Schmecken, Tasten, die Wahrnehmung von Bewegung das Spüren des Gleichgewichtssinnes und das Empfinden von Temperaturen wichtig. Beim Fernsehen werden aber nur zwei Sinne angesprochen, was vor allem bei Kleinkindern zu einer Reizüberflutung führen kann, die sich dann in Unruhe und Unleidlichkeit zeigen kann, sagt Karin Jacob, Erziehungs- und Familienberaterin beim SOS-Familienzentrum Berlin in Hellersdorf. Eltern sollten ihren Kindern dabei helfen, den richtigen Umgang mit dem Medium zu erlernen. Dafür ist es wichtig, ein paar Grundsätze zu beachten:

Das Kind braucht die Hilfe der Eltern

Eltern sollten ihr Kind nicht alleine fernsehen lassen. Sonst haben sie keinen Einfluss auf das, was das Kind sieht und können es nicht auffangen, wenn es Angst oder Fragen hat. Bilder von Krieg, Gewalt und Tod sollten Kinder gar nicht erst sehen – darauf sollten Eltern achten. Doch auch andere Szenen oder für Erwachsene harmlos wirkende Figuren können Kindern Angst machen. Daher benötigen sie die Unterstützung und Erklärungen der Eltern, um aufkommende Ängste und Fragen zu verarbeiten.

Auch Werbung, die mit ihren bunten Bildern reizt und emotional beeinflussen will, können Kinder nicht angemessen einordnen. Eltern sollten ihren Kindern den Unterschied zwischen Werbung und Realität erklären. Am besten ist es, wenn das Kind gar keine Werbesendungen zu sehen bekommt.

Eine Auswahl treffen

Kinder schauen gerne Sendungen, die ihrer Lebensrealität nahe kommen. Eltern sollten versuchen, die Sendungen im Vorfeld mit ihren Kindern auszusuchen und feste Fernsehzeiten einzurichten. Es gibt Empfehlungen, wie lange ein Kind in welchem Alter fernsehen darf:

  • Dreijährige 20 bis 30 Minuten täglich
  • Vier- bis Fünfjährige 30 Minuten täglich
  • Sechs- bis Neunjährige fünf Stunden pro Woche
  • Zehn- bis 13-Jährige sollten gelernt haben, zunehmend eigenverantwortlich mit dem Fernsehen umzugehen

Zu viel Fernsehen schadet

Verschiedene Studien belegen, dass Kinder, die viel fernsehen, sich später im Unterricht weniger beteiligen, weniger soziale Kontakte haben und sich weniger bewegen. Der Grund ist simpel: Eine halbe Stunde mehr fernsehen bedeutet eine halbe Stunde weniger Zeit zum Toben, Reden, Lesen und für Freunde. Im Gegensatz zum Fernsehen lernen Kinder in diesen Fällen aktiv zu diskutieren, sich auszudrücken, soziale Kompetenzen und schulen ihre Motorik.

Vorbild sein

Wenn die Eltern, sobald sie zu Hause sind, den Fernseher anschalten, werden die Kinder dasselbe tun. Um ihren Kindern den verantwortungsvollen Umgang mit dem Medium Fernsehen beizubringen, sollten die Eltern sich ebenfalls eine Fernsehzeit aneignen und am Ende einer Sendung den „Aus“-Knopf drücken, anstatt zappend auf etwas Interessantes zu warten.

Der Fernseher ist kein Babysitter...

Kinder sollten nicht vor dem Fernseher „geparkt“ werden. Hier können sie sich zwar mitunter unterhalten lassen, aber die Masse an Eindrücken und Informationen müssen sie auch verarbeiten. Das geht nur im Spiel mit anderen Kindern oder im Austausch mit Erwachsenen. Mit dem Fernseher aber lässt sich kein Dialog führen, der Kommunikationsverlauf ist einseitig und das Kind nur passiv am Geschehen beteiligt.

...und kein Spielkamerad

Auch die motorischen Fähigkeiten kommen zu kurz, wenn ein Kind den halben Tag auf der Couch sitzt. Zusammen mit Chips oder Süßigkeiten kann es sein, dass das Kind früher oder später immer dicker wird.

Die Erfahrungen, die ein Kind beim Klettern auf einem Baum, beim Ballspiel mit Freunden oder beim Pfützenspringen macht und all die sozialen Fähigkeiten, die es nebenbei lernt, können kein noch so spannender Film und keine noch so pädagogische Sendung auffangen.

Spielen, Reden, Malen, Lesen

Kinder verarbeiten Eindrücke im Spiel und im Traum. Um schlechte Träume und einen unruhigen Schlaf zu vermeiden, sollten Kinder nicht noch kurz vor dem Zubettgehen fernsehen. Besser ist es, eine Stunde zum Spielen, Reden, Malen oder Lesen in der Zeit zwischen Fernsehen und Schlafengehen einzurichten.

TV ist keine Belohnung und keine Strafe

Fernsehen als Lohn oder als Strafe einzusetzen, hilft nicht dabei, dass Kinder sich einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Medium aneignen. Verbote reizen nur noch mehr. Wenn Eltern das Fernsehen als Lohn einsetzen, verleihen sie ihm in den Augen der Kinder eine Bedeutung, die es eigentlich nicht verdient.