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„Die Kinder sind alles für mich“

Nach ihrem Schulabschluss studiert Mildre Solano Duran aus Bolivien Jura. Doch sie erkennt, dass sie lieber im sozialen Bereich arbeiten möchte. Sie bricht das Studium nach einem Semester ab und bewirbt sich bei SOS-Kinderdorf. Da ist sie gerade mal 18 Jahre alt. Sie will selbständig sein und eine eigene Familie haben. Ihre Eltern und Freunde sind geschockt. Doch Mildre bleibt bei ihrem Entschluss. Heute ist die 33-Jährige eine stolze SOS-Kinderdorfmutter.

Frau Duran, wie sind Sie zu SOS-Kinderdorf gekommen?

SOS-Kinderdorfmutter Mildre Solano Duran mit einem Mädchen Ich kam mit 15 Jahren das erste mal in das SOS-Kinderdorf Tarija, um eine Kinderdorfmutter zu unterstützen, die ein kleines Baby hatte. Vormittags ging ich zur Schule und nachmittags kam ich in das Dorf. Das Kind gewöhnte sich an mich und verlor langsam die Beziehung zu seiner Kinderdorfmutter. Deshalb sagte man mir, ich solle gehen, weil ich noch zu jung sei und eigentlich mit der Institution nichts zu tun hätte; ich könne mit 18 wiederkommen. Seitdem ging mir diese Idee durch den Kopf, und dann bewarb ich mich als SOS-Tante. Ich wurde zunächst auf Probe eingestellt. Im Kinderdorf dachten sie, dass ich es nicht schaffen würde, man nahm mich nicht ernst. Von Anfang an hatte ich die Absicht, Kinderdorfmutter zu werden, eine eigene Familie und ein eigenes Haus zu haben. Und schon ein Jahr später wurde dieser Traum wahr.

Ihre Eltern waren nicht begeistert von dieser Berufswahl.

Meine Eltern machten mir meine Entscheidung schwer. Sie waren am Anfang absolut dagegen und wollten, dass ich weiter studiere. Sie dachten, dass ich von meinem Leben enttäuscht sei und hierher fliehen wolle. Auch mein damaliger Freund war dagegen. Trotzdem entschied ich mich, das zu machen, was ich wirklich wollte. Und hier bin ich also.

Wie war die erste Zeit als SOS-Kinderdorfmutter für Sie?

SOS-Kinderdorfmutter Mildre Solano Duran beim Besuch auf dem Markt Am Anfang war es hart. Ein großes Hindernis war mein Alter, das ist es heute noch. Als ich mein Haus bekam... was für eine Herausforderung! Ich hatte große Schwierigkeiten am Anfang, so dass ich einmal bereits meine Koffer gepackt hatte. Auch mit einigen Kindern hatte ich Probleme, sie waren aggressiv, rücksichtslos und voller Hass. Das war meine Feuerprobe. Aber es ging vorbei. Die Kinder integrierten sich in die Familie und alles beruhigte sich.

Was war der schönste Moment im SOS-Kinderdorf für Sie?

Das schönste Ereignis war an einem Muttertag: Meine Kinder engagierten gemeinsam mit dem Dorfleiter ein mexikanisches Ensemble, die Mariachis, die für mich sangen. Später bereiteten sie ein Abendessen vor, zu dem sie meine Freunde eingeladen hatten. Ich durfte überhaupt nichts helfen. Und dann schickten sie mich tanzen. Das war der schönste und wichtigste Tag für mich.

Wie erleben Sie Ihre Rolle als Mutter?

Es ist die schönste Aufgabe, die es für eine Frau gibt. Natürlich ist es manchmal schwierig, aber solange es Liebe gibt, ist alles zu schaffen, alles zu lösen. Ich kann mir nicht vorstellen, ohne die Kinder zu leben. Sie sind alles für mich.

Haben Ihre Kinder auch Kontakt zu Ihrer Familie und Ihren Freunden?

Aber ja, meine Mutter ist ihre Großmutter! Wir unternehmen viel mit den Nachbarn, mit meinen Freunden. Die Kinder übernachten oft bei meinen Eltern. Sie lieben sie wie ihre eigenen Enkelkinder, manchmal werden sie sogar zu sehr verwöhnt.

Und die biologischen Familien der Kinder? Gibt es auch da Kontakte?

Als ich in dieses Haus kam, waren sie dabei, diese Beziehungen langsam zu verlieren. Ich unterstützte sie, den Kontakt wieder aufzunehmen. Ich reiste herum und besuchte ihre Familien. Ich tue alles, um ihnen ständigen Kontakt zu ermöglichen. Und bei den Kindern, die bisher keinen Kontakt hatten, suchte ich nach Familienangehörigen. Ich glaube, es tut ihnen sehr gut, diesen Kontakt mit den Familien zu haben, damit sie wissen, woher sie kommen.

Was wünschen Sie sich für Ihre Kinder?

Für meine Söhne wünsche ich mir, dass sie gute Menschen werden, verantwortliche und stabile Erwachsene, dass sie ihre eigene Familie gründen und ihre Frauen respektieren. Für meine Töchter wünsche ich mir, dass sie fähig sind, selber ihren Weg zu machen. Ich möchte, dass sie wegen ihrer Fähigkeiten geschätzt werden und, sichere und verantwortungsbewusste Erwachsene werden.