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Fit für die Ausbildung
Im Berliner Jugendberatungshaus sos.mitte bekommen junge Menschen Unterstützung in den Bereichen Ausbildung und Beruf
In der Schule? Da war Daniel* schon seit mindestens einem Jahr nicht mehr. Er kam in der Regelschule einfach nicht zurecht, war ein so genannter Schulverweigerer. Nur: ohne Schulabschluss kein Ausbildungsplatz, ohne Ausbildung keine Arbeit. Doch Daniel hatte Glück. Über das Jugendamt kam er in Kontakt mit dem Jugendberatungshaus sos.mitte, einem Angebot des SOS-Berufsausbildungszentrums Berlin. Die Berater dort halfen ihm bei der Suche nach einer neuen Perspektive.
Drei SOS-Mitarbeiter kümmern sich im Jugendberatungshaus um die Anliegen von jungen Menschen zwischen 14 und 27 Jahren. Viele von ihnen haben durch Mund-zu-Mund-Propaganda, über das Jobcenter, die Schule oder Jugendhilfe-Träger von dem Angebot erfahren. Im Fokus der Beratung steht der Übergang von der Schule in den Beruf. „Diese Phase bringt an sich schon viele Probleme mit sich“, sagt Sozialpädagogin Barbara Grote. Doch für junge Menschen wie Daniel ist es noch schwerer. „Auf dem ersten Arbeitsmarkt haben die Jugendlichen, die zu uns kommen, wenig Chancen“, sagt Barbara Grote. Schwerpunkt der Arbeit von SOS ist es deshalb, Wege zu finden, die Jugendlichen fit für die Ausbildung zu machen.
Persönliche Probleme aus dem Weg räumen
Doch dazu müssen die SOS-Mitarbeiter oft erst einmal mit den Jugendlichen an ihren persönlichen Problemen arbeiten. Probleme in der Familie, Schulden, Suchtprobleme, psychosoziale Erkrankungen wie Depressionen oder Borderline-Syndrom, die Suche nach einer eigenen Wohnung oder aufenthaltsrechtliche Fragen – die Bandbreite ist groß. „Solche Dinge müssen wir erst klären, damit sich der Jugendliche überhaupt auf die Schule oder eine Ausbildung konzentrieren kann“, erklärt Barbara Grote.
Und noch etwas kommt hinzu: „Die Unterstützung von Zuhause fehlt oft“, sagt die Sozialpädagogin. Häufig seien die Eltern der Jugendlichen zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Daniels Mutter aber engagierte sich für ihren Sohn und Barbara Grote fand für ihn zunächst eine geeignete Teilzeit-Maßnahme – in Absprache mit der zuständigen Fallmanagerin des Jobcenter Mitte, die ebenfalls im Jugendberatungshaus sos.mitte ihren Arbeitsplatz hat. Ein Vorteil, findet Barbara Grote. Die räumliche Nähe ermöglicht eine enge Abstimmung zu den Bedürfnissen der Jugendlichen.
Dem Tag wieder eine Struktur geben
Die Maßnahme, die sie für Daniel auswählten, hatte zunächst ganz grundsätzliche Ziele: Der damals 16-Jährige sollte sich wieder an feste Tagesstrukturen gewöhnen, lernen pünktlich zu sein und sich an Absprachen zu halten. Nach einem Jahr wechselte Daniel in eine Berufsorientierungsmaßnahme, lernte dort verschiedene Berufe kennen und holte parallel seinen Hauptschulabschluss nach. Dann die Überraschung: Daniel wurde Vater. Nun war es noch wichtiger für ihn, schnellstmöglich einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Auch hier unterstützte ihn Barbara Grote bei der Suche.
„Der Kontakt zu den Jugendlichen ist meist stabil“, sagt Grote. Die meisten kommen auch ein zweites oder drittes Mal in die Beratung von SOS – so wie Daniel. Gleisbauer wollte er werden und bekam schließlich die Zusage für eine Einstiegsqualifizierung bei der Deutschen Bahn. „Es geht nach oben in seinem Leben“, sagt Barbara Grote. Die Chancen, dass die Deutsche Bahn Daniel übernimmt, stehen gut, seine Freundin macht gerade Abitur und die kleine Familie kommt gut zurecht. „Für uns bei SOS-Kinderdorf ein erfolgreicher Ausgang“, freut sich Barbara Grote.
*Name von der Redaktion geändert