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Der Weg zur eigenen Adresse

Jugendlicher steht im Hausflur Irgendwann eskalierte die Situation zwischen Martin* und seinen Eltern endgültig. Die Aussicht, weiterhin unter einem Dach zu leben, war für alle drei unzumutbar. Der 24-Jährige zog aus – und stand plötzlich auf der Straße. Auf der Suche nach Hilfe wandte sich Martin schließlich an den Jugenddienst der SOS-Jugendhilfen Saarbrücken. „Wir beraten und begleiten Jugendliche in allen Lebensbereichen“, sagt Diplom-Pädagogin Daniela Henn. Wichtig für Martin war es zunächst, Arbeitslosengeld II zu beantragen und eine eigene Wohnung zu finden – eine große Herausforderung.

Gespräche mit den Jugendlichen und ihren Familien

Denn das Gesetz sieht vor, dass junge Hartz-IV-Empfänger bei ihren Eltern leben, bis sie 25 Jahre alt sind. Die Ausnahme: Jugendliche, die nicht mehr zu Hause wohnen können, weil die Probleme innerhalb der Familie zu groß sind. Um zu klären, ob das tatsächlich der Fall ist, nehmen die Mitarbeiter des SOS-Jugenddienstes Kontakt zu allen Beteiligten auf. In Martins Fall sprach Daniela Henn mit dem Vater des 24-Jährigen: „Er sagte, dass sein Sohn auf keinen Fall mehr nach Hause darf.“ Zu oft war es in der Vergangenheit zu Eskalationen innerhalb der Familie gekommen.

Eine Adresse bei den Jugendhilfen

Daniela Henn stellte Martin eine entsprechende Bescheinigung aus und richtete ihm außerdem eine Postadresse bei den SOS-Jugendhilfen ein. Um finanzielle Unterstützung zu erhalten, müssen die Jugendlichen für die Arge erreichbar sein. Das gilt auch, solange sie noch keine eigene Wohnung haben und bei Freunden oder auf der Straße leben. Wie Martin haben rund 50 junge Hartz-IV-Empfänger im Schnitt ihre Postadresse bei den SOS-Jugendhilfen. Sie alle müssen sich täglich beim Jugenddienst melden. „Die Jugendlichen werden abgemeldet, wenn sie zwei Tage hintereinander ihre Post nicht abholen“, sagt Daniela Henn

„Geh zu SOS, die helfen dir“

Meist erfahren Jugendliche und junge Erwachsene über Mund-zu-Mund-Propaganda von den SOS-Jugendhilfen. „Der Jugenddienst ist in Saarbrücken sehr bekannt. Geh zu SOS, die helfen dir, heißt es dann“, sagt Henn. Seit 15 Jahren gibt es den Jugenddienst bereits. Henns Kollegen, Diplom-Sozialpädagogin Christel Kohls und Paul-Georg Berthold, pädagogischer Mitarbeiter, waren von Anfang an dabei. Im Offenen Treff des Jugenddienstes herrscht eine ungezwungene Atmosphäre. Jugendliche, die hier hinkommen, fassen schnell Vertrauen, sagt Daniela Henn – so wie Martin. Er brauchte seine Postadresse bei den Jugendhilfen etwa einen Monat. Dann konnte er in seine eigene Wohnung ziehen und überall seine neue Adresse angeben.

*Name von der Redaktion geändert