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„Ich geh’ zur U! Und Du?“

Drei Jungen im Kleinkindalter mit T-Shirts mit dem Aufdruck "U4-6". Stolz zeigt Laura ihr T-Shirt. Eine große grüne Acht ist darauf gedruckt. Die Vierjährige war mit ihrer Mutter bei der U8, der vorletzten von insgesamt neun Vorsorgeuntersuchungen im Kindesalter. Zur Belohnung hat Laura im SOS-Familienzentrum Berlin das T-Shirt bekommen – als Teil der Aktion „Ich geh’ zur U! Und Du?“.

Entwicklungsstörungen bleiben unerkannt

Das SOS-Familienzentrum Berlin beteiligt sich bereits seit 2005 an der Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Ziel der Aktion ist es, Eltern dafür zu sensibilisieren, die zehn kostenlosen Früherkennungsuntersuchungen für ihre Kinder in Anspruch zunehmen. Denn die Erfahrung Jeanette Sauer im Familienzentrum Berlin zeigt, dass besonders sozial schwache Familien und Familien mit Migrationshintergrund die Untersuchungen sieben bis neun häufig auslassen. So aber besteht die Gefahr, dass beispielsweise eine Entwicklungsstörung des Kindes vor der Einschulung unerkannt bleibt.

Im SOS-Familienzentrum Berlin waren sich die Mitarbeiter sofort einig, sich nicht allein an der Aktion der BzgA zu beteiligen. „Die Kampagne war eine tolle Gelegenheit, um mit Kindertagesstätten ins Gespräch zu kommen“, sagt Jeanette Sauer, die das Projekt im Familienzentrum koordinierte. Bereits im ersten Jahr schlossen sich vier Kitas und acht Tagesmütter der Berliner SOS-Gemeinschaft an.

Eltern direkt ansprechen

Die Beteiligten setzten vor allem auf direkten Kontakt und sprachen so viele Eltern wie möglich einzeln an. Außerdem organisierten sie Informationsabende mit einer Kinderärztin und Mitarbeitern des Jugendgesundheitsdienstes für die Eltern „Wir haben festgestellt, dass zwar viele nicht mit ihren Kindern bei den Vorsorgeuntersuchungen waren“, sagt Jeanette Sauer, „sich aber grundsätzlich sehr für das Thema interessierten.“ Manche Eltern sagten der Erzieherin, sie hätten die Untersuchungen einfach vergessen. Andere hatten Angst, ihr Kind könnte bei der Untersuchung durchfallen, wie das Auto beim TÜV. Eine große Gruppe Kinder aus dem Familienzentrum Berlin

Kinder, die schließlich mit einem entsprechenden Eintrag in ihrem Vorsorgeheft zeigen konnten, dass sie mit ihren Eltern beim Kinderarzt gewesen waren, bekamen das T-Shirt mit der großen grünen Zahl. Die Aktion war ein voller Erfolg: „Wir haben gleich im ersten Jahr 400 Kinder zwischen drei und fünf Jahren erreicht“, sagt Jeanette Sauer. Außerdem erhielten das SOS-Familienzentrum Berlin und seine Partner den Netzwerkpreis der BzgA.

Netzwerk erreichte rund 4000 Kinder

Von da an wuchs die Aktion mit jedem Jahr und mit ihr das Netzwerk im Bezirk Berlin-Marzahn-Hellersdorf. „Schon im dritten Jahr haben wir etwa 3000 Kinder erreicht, im vierten sogar rund 4000“, sagt Sauer. Seit 2006 koordiniert die Plan- und Leitstelle Gesundheit und Soziales des Bezirks die Aktion, an der sich zuletzt 29 Kindertagesstätten und 14 Tagesmütter beteiligten.

Nach dem Ende der vergangenen Aktionsrunde im Januar will sich das Berliner Netzwerk nun nicht mehr an der offiziellen Kampagne der BZgA beteiligen. Das Engagement ist damit aber längst nicht beendet. „Die Vernetzung ist nachhaltig“, sagt Jeanette Sauer. „Jeder von uns hat jetzt konkrete Ansprechpartner, an die er sich bei neuen Projekten wenden oder die er Eltern vermitteln kann.“ Und die Eltern jüngerer Kinder haben sich die Vorsorgeuntersuchungen sieben bis neun schon in ihren Kalender eingetragen.