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Verschleppte Kinder im SOS-Kinderdorf aufgenommen
Wegen des Verdachts auf Kindesraub ist in Haiti eine Gruppe von US-Bürgern festgenommen worden, die mehr als 30 haitianische Kinder außer Landes bringen wollte. Ein Großteil der Kinder habe noch Angehörige, die das Erdbeben überlebt hätten, sagte die regionale Leiterin des Hilfswerks SOS-Kinderdorf, Patricia Vargas.
Die Festgenommenen gehören der christlichen Hilfsorganisation New Life Children's Refuge im US-Bundesstaat Idaho an. Angesichts der chaotischen Situation, in der sich die haitianische Regierung befinde, wollten ihre Mitarbeiter nur helfen, sagte die Chefin der Organisation, Laura Silsby, dem Fernsehsender CNN. Der haitianische Sozialminister Yves Christallin erklärte, die US-Bürger seien festgenommen worden, als sie versuchten, am Freitag mit den Kindern die Grenze zur Dominikanischen Republik zu überqueren, ohne für die Kinder gültige Papiere vorweisen zu können: "Das ist Raub, nicht Adoption."
Kinder vorerst im SOS-Kinderdorf untergebracht
"Die meisten Kinder haben noch Familie", vermutet Vargas, zuständig für die Arbeit des Hilfswerks SOS-Kinderdorf in Zentralamerika, Mexiko und der Karibik. Das SOS-Kinderdorf in der Nähe von Port-au-Prince hat die Kinder am Samstag aufgenommen. Im Gespräch mit den älteren Kindern habe sich herausgestellt, dass ihre Eltern noch am Leben seien. Die meisten der Kinder sind in schlechter körperlicher und seelischer Verfassung und wurden sofort medizinisch und psychologisch betreut. Ein nur wenige Monate altes Mädchen wurde wegen Unterernährung ins Krankenhaus gebracht. Bis zur Klärung der familiären Situation der Kinder werden sie im SOS-Kinderdorf bleiben.
Adoptionen sind nur unter strengen Voraussetzungen sinnvoll
SOS-Kinderdorf International spricht sich gegen verfrühte Adoptionsfreigaben nach dem Erdbeben auf Haiti aus: Adoptionen ins internationale Ausland sollen solange vermieden werden, bis jede Anstrengung unternommen wurde, das Kind mit der eigenen Familie zusammenzubringen. Gelingt dies nicht, sollten vor allem im eigenen Land angemessene Lösungen gefunden werden, die den internationalen rechtlichen Standards zur Betreuung von Kindern entsprechen.