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Drei Jahrzehnte Hilfe für Haiti
Mitarbeiter aus Dießen baute erstes SOS-Kinderdorf auf Haiti
Erdbeben, unverstellbares Elend, verschleppte Kinder: Die ganze Welt blickt derzeit auf Haiti. Im SOS-Kinderdorf Ammersee wird das Geschehen besonders intensiv verfolgt. Denn von dort startete vor knapp drei Jahrzehnten ein Mitarbeiter, um die haitianischen SOS-Kinderdörfer aufzubauen. Kinder und Betreuer aus Dießen spendeten damals sogar eine Kuh für das haitianische SOS-Kinderdorf.
Gabriele Schöne kann sich noch gut an die Anfänger der SOS-Kinderdorf-Arbeit in Haiti erinnern. Nach vier Jahren in Dießen hatte sich der damals erste männliche pädagogische Mitarbeiter, Sozialpädagoge Norbert Bernd, für eine Auslandsmitarbeit beworben – und war im Januar 1980 nach Haiti geflogen. Über einen regen Briefwechsel nahmen die Dießener direkten Anteil an der Aufbauarbeit in dem Land. So erfuhren sie von dem unvorstellbaren Elend, das in Haiti herrschte. Der haitianischer Priester Rodriguez Ben Bichotte hatte 159 Kinder aufgelesen und betreute sie in einem Provisorium aus windschiefen Hütten namens "Petite Place Cazeau". Die Kinder schliefen zu dritt in einem Bett, es fehlte einfach an allem: Nahrungsmittel, Kleidung, Schulsachen, Spielzeug. Dabei hatten sie noch Glück im Vergleich zu vielen Altersgenossen, die tatsächlich auf Müllhalden leben mussten.
Warten auf Wasser
Bichotte kannte Hermann Gmeiners SOS-Kinderdörfer von seinem Studium in Deutschland und bat den SOS-Kinderdorf-Verein um Unterstützung, als er nicht mehr weiter wusste. Haiti wurde damit das erste Land, in dem der deutsche SOS-Kinderdorf-Verein die Finanzierung eines Kinderdorfs übernahm – dieses Engagement widmete er dem Gründer der SOS-Kinderdörfer, Hermann Gmeiner, zu dessen 60. Geburtstag im Juni 1979. Doch der Bau fester Häuser ging nur schleppend voran: Materialengpässe und die völlig andere Arbeitswese der Haitianer verzögerten die Arbeiten immer wieder, sodass beispielsweise die Wasserleitung erst Ende 1981 fertig gestellt wurde. Bis dahin erhielt das Dorf sein Trinkwasser aus Tankwagen. Die Elektrizitätsversorgung wurde erst wenige Tage vor der offiziellen Einweihung des Kinderdorfs im Oktober 1982 aufgenommen. Schöne selbst reiste zweimal nach Haiti und war jedes Mal "sehr beeindruckt und betroffen": Beein-druckt, wie praktisch aus dem Nichts ein SOS-Kinderdorf mit festen Häusern und Schule entstand und betroffen von der unvorstellbaren Armut und der Diskrepanz zwischen den Reichen und den Armen in dem 8,3-Millionen-Einwohner-Land. Bei den häufigen Regierungswechseln hätten die Menschen immer viel Hoffnung gehabt – doch die habe sich leider nie erfüllt, egal, wer an der Macht war, so Schöne.
Eine Kuh namens Heidi
Das SOS-Kinderdorf in Dießen hielt Kontakt zu Haiti und sammelte immer wieder beispielsweise Kleider und Schuhe für die Kinder dort. Im Juli 1982 stifteten sie sogar eine Kuh: Damit die haitianischen Buben und Mädchen nicht nur Trocken- sondern endlich auch echte Milch trinken konnten, sammelten Kinder und Mitarbeiter am Ammersee insgesamt 920 Mark. Damit wurde eine Milchkuh für die kleine Landwirtschaft gekauft, die nach den Vorschlägen der Dießener – jeder Spender durfte einen Namen nennen – "Heidi" getauft wurde.
Im August 1982 waren die ersten Familien in das neue SOS-Kinderdorf Petite Place Cazeau eingezogen – für die Kleinen ein bewegender Augenblick, hatten sie doch zum ersten Mal ein eigenes Bett für sich. Nachdem bald klar war, dass der Platz für die vielen Kinder in Not nicht ausreichte, begann ein paar Monate später schon der Bau eines zweiten Kinderdorfs in Santo in der Näher der Haupstadt Port-au-Prince. Im April 1985 weihte man das zweite SOS-Kinderdorf im Beisein von Hermann Gmeiner ein, 1987 folgte die Grundsteinlegung für ein drittes in Cap Haitien. Zu dessen Einweihung 1990 schickten die Buben und Mädchen aus Dießen selbst gemalte Bilder mit Glückwünschen über den Ozean. Zu dieser Zeit finanzierte der deutsche SOS-Kinderdorf-Verein in Haiti die Betreuung von 490 Kindern in den SOS-Kinderdorffamilien sowie 27 Jugendlichen im Jugendhaus. Dazu kamen Schulen und Kinder-gärten sowie ein Ausbildungszentrum für junge Erwachsene, unter anderem mit Schlosserei, Schreinerei und Bäckerei.
Von den SOS-Kinderdörfern profitiert und profitierte jeweils auch die Nachbarschaft in Haiti: So etwa von den Schulen, aber auch den neu errichteten Straßen und der Strom- und Wasserversorgung. Auch heute unterstützen SOS-Kinderdorffreunde in Deutschland nicht nur die beiden SOS-Kinderdörfer in Santo und Cap Haitien (Petite Place Cazeau wurde später einem kirchlichen Träger übergeben), sondern auch zwei Schulen, zwei SOS-Jugendeinrichtungen, ein SOS-Berufsbildungszentrum und vier SOS-Sozialzentren. Außerdem wird nach dem Erdbeben – mit Unterstützung der Spender – natürlich geholfen, wo es nur geht.
Spendenkonto für Haiti:
SOS-Kinderdorf e.V.
Stichwort: „Nothilfe“
Spendenkonto 7808005
BLZ 70020500
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE02 7002 0500 0007 8080 05
BIC: BFSWDE33MUE