Haiti
Haiti liegt im Norden der Karibik zwischen Kuba und Puerto Rico und hat rund 8,5 Millionen Einwohner. Hauptstadt der 27.750 km² großen Insel ist Port-au-Prince. Offizielle Landessprache ist Kreolisch, daneben sprechen etwa 10 Prozent der Bevölkerung auch Französisch. Etwa 85 Prozent der Haitianer sind christlichen Glaubens, daneben ist aber auch der Voodoo-Kult weit verbreitet. 90 Prozent der Bevölkerung sind Menschen, deren Vorfahren als Sklaven aus Afrika nach Haiti verschleppt wurden.
Haiti wurde im Jahre 1794 unabhängig. 1957 kam der unter dem Namen "Papa Doc" bekannte Arzt François Duvalier an die Macht. Duvalier stützte seine Macht auf eine brutale Geheimpolizei. Während seiner Diktatur verließ der Großteil der reichen und gebildeten Haitianer das Land. Nach seinem Tod im Jahre 1971 übernahm sein Sohn die Führung. Erst 1986 konnte Jean-Claude Duvalier ("Baby Doc") durch das Militär aus dem Amt geputscht werden. In der Folge wechselten sich verschiedene kurzlebige Regierungen ab. 1990 wurde in den ersten demokratischen Wahlen in Haiti Jean Bertrand Aristide zum Präsidenten gewählt, jedoch bereits sieben Monate später von den Militärs wieder gestürzt. Seine durch eine Invasion US-amerikanischer Truppen erzwungene Rückkehr im Oktober 1994 löste eine dreijährige gewalttätige Militärdiktatur im Lande ab. Seit 1994 wechselten sich Jean-Bertrand Aristide und der aktuell amtierende Präsident René Preval als Präsidenten mehrfach ab.
Die politische Situation des Landes ist durch die jahrzehntelange Diktatur, Staatsstreiche, gewalttätige Konflikte und Korruption stark geschwächt. Der im Jahr 2004 zurückgetretene Präsident Aristide hinterließ chaotische Verhältnisse. Eine funktionierende Infrastruktur oder rechtsstaatliche Ordnung fehlen weitgehend. Gewalt, Drogenhandel und eine hohe Kriminalitätsrate sind weit verbreitet.Haiti zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Der Großteil der Menschen lebt unterhalb der Armutsgrenze, etwa zwei Drittel der Bevölkerung sind arbeitslos. Subsistenzwirtschaft sichert oftmals das Überleben der Familien. Die Lebenserwartung liegt bei etwa 57 Jahren. Auch die medizinische Versorgung des Landes ist schlecht.
Das verheerende Erdbeben im Januar 2010 hat die schwierigen Lebensumstände der Bevölkerung um ein Vielfaches erhöht. SOS-Kinderdorf startete daraufhin umgehend verschiedene Nothilfemaßnahmen, die darauf abzielten, den Menschen sowohl unmittelbar aber auch auf lange Sicht umfassend zu helfen.
Die SOS-Kinderdorf-Arbeit wurde in Haiti bereits im Jahre 1979 aufgenommen. Derzeit gibt es zwei SOS-Kinderdörfer und zwei SOS-Jugendeinrichtungen, zwei Berufausbildungszentren, zwei Schulen sowie 4 SOS-Sozialzentren auf der Insel.
SOS-Kinderdorf Santo
1984 wurde das SOS-Kinderdorf Santo, ca. zwölf Kilometer von Haitis Hauptstadt Port-au-Prince entfernt, errichtet. Es umfasst 19 Familienhäuser, die Platz für 190 Kinder bieten, ein Gemeindehaus, ein Dorfleiterhaus, ein Tantenhaus, eine kleine Krankenstation. Angeschlossen an das SOS-Kinderdorf ist eine Jugendwohngemeinschaft, in der die Jugendlichen auf ein eigenständiges selbstbestimmtes Leben vorbereitet werden.
SOS-Hermann-Gmeiner-Schule Santo
Auf dem gleichen Grundstück befindet sich außerdem eine SOS-Hermann-Gmeiner-Primar- und Sekundarschule. Die im Zwei-Schicht-Betrieb arbeitende Schule hat eine Kapazität für 630 Schüler, die in neun Klassen unterrichtet werden.
SOS-Sozialzentrum Santo
2005 rief SOS-Kinderdorf des Weiteren ein SOS-Sozialzentrum ins Leben. Das SOS-Sozialzentrum beherbergt eine Kindertagesstätte und bietet Programme zur Familienstärkung an. Ziel dieser Programme ist es, Kindern, die Gefahr laufen, von ihrer Herkunftsfamilie getrennt zu werden, den Verbleib in ihrer Familie zu sichern.
SOS-Kinderdorf-Einrichtungen auf Haiti:
- 2 SOS-Kinderdörfer
- 2 SOS-Jugendeinrichtungen
- 2 SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen
- 2 SOS-Berufsausbildungszentren
- 4 SOS-Sozialzentren