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Selbst gepflanzt, schmecken auch Erbsen!
Obst und Gemüse aus eigenem Anbau
„Stopp, noch nicht auszupfen“ rief Doris Kraux noch, aber zu spät: Schon hatte der damals 5-jährige Moritz* die Möhre aus der Erde gezogen. „Ich wollte doch nur nachsehen, ob sie schon groß genug ist…“ Schmunzelnd erinnert sich Kinderdorfmutter Doris Kraux aus dem SOS-Kinderdorf Worpswede an den Sommer, als sie mit ihren Kindern das Gärtnern begann.
„Zusammen mit den Größeren legte ich ein Hochbeet an, das von Holzbohlen eingefasst wurde. Zuunterst kam eine Lage Pferdemist und darauf Muttererde. Dann haben wir ausgesät: Möhren, Erbsen und Erdbeeren.“ Womit die leidenschaftliche Hobbygärtnerin allerdings nicht gerechnet hatte, war die Neugier der Kinder: Kaum eine Erdbeere erreichte das vollrote Reifestadium, weil jedes Kind immer das Erste beim Pflücken sein wollte. Genauso erging es die Möhren. Es dauerte einfach, bis die Jung-Gärtner begriffen, dass eine Mini-Möhre, einmal aus der Erde gezogen, nicht wieder anwächst. Im zweiten Jahr pflanzte die Familie nur noch Erdbeeren, weil sie die größte Chance hatten unter den eifrigen Kinderhänden zur Reife zu gelangen, erinnert sich Doris Kraux. Sebastian*, ihr „kleiner Landwirt“, wie sie ihn nennt, faszinierte das Entstehen der Pflanzen aus kleinen Samenkörnern derart, dass er es selbst ausprobierte. Einen Sommer lang sammelte er Maiskolben vom Feld, pulte die einzelnen Samenkörner raus und steckte sie in die Erde. „Ganz stolz war er, als sich im nächsten Jahr die ersten Pflanzen zeigten und wacker aß er auch die sich bildenden Maiskolben – obwohl Futtermais nicht gerade lecker ist“, so Doris Kraux.
Ehrensache: Die Marmelade wird selbst eingekocht
Ein Jahr später stand ein Umzug in ein anderes Haus des SOS-Kinderdorfs Worpswede an und die Familie musste ihr Gemüsebeet aufgeben. Im neuen Garten pflanzte Doris Kraux anstelle von Gemüse erst einmal Blumen. Die sind zwar nur „Nahrung für die Seele“, werden aber von den Kindern auch sehr geschätzt. Doris Kraux zeigte ihren Schützlingen, wie man die getrockneten Fruchtstände der Sonnenblumen im Herbst abschneiden und als Futterquelle für hungrige Vögel aufhängen kann.
Auf vitaminreiches Gemüse und Obst muss die Familie trotzdem nicht verzichten. Beerensträucher wie Johannisbeere und Kultur-Heidelbeeren als Grenzeinfassung locken die Kinder den ganzen Sommer über zum Pflücken. Und einmal in der Woche kommt eine Gemüsekiste vom Bauernhof ins Haus. „Da ist oft ganz Exotisches dabei wie Topinambur oder Pak Choi. Aber das beiliegende Rezeptblatt verrät, wie man es am besten zubereitet. Falls es dem Kindergeschmack so gar nicht entgegenkommt, püriere ich es zusammen mit anderen Gemüse als Suppe oder überbacke es mit Käse“, verrät Doris Kraux ihr Geheimrezept. Sie selbst hat von ihren Eltern das Interesse und die Erfahrung für die Köstlichkeiten aus eigenem Garten mitbekommen. „Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Mutter Obst oder Gemüse gekauft hat. Alles wurde während der Saison eingelegt und eingekocht.“
Diese Erfahrung gibt sie heute gerne an ihre Kinder weiter. „Zur Holunderzeit sammeln wir ganz viele Beeren und kochen sie ein. Eine Marmelade aus Holunderbeeren und Apfelsaft schmeckt den Kindern super!“
Frühlings-Hexerei: Brennnessel-Suppe
Doris Kraux ist nicht die einzige Kinderdorfmutter in Worpswede, die Gesundes aus der Natur verarbeitet. Ihre Kollegin Catharina Braun bietet als gruppenübergreifendes Abenteuer hin und wieder „Outdoor-Kochen im gusseisernen Topf“ an. Sobald jetzt die ersten Brennnesseln sprießen, wird die Saison eröffnet. Gemeinsam mit den Kindern bereiten die Mütter die rund ums Kinderdorf gesammelten Brennnesseln zum Kochen vor, schnippseln das Gemüse klein und dann wird alles zusammen in Kräuterhexenmanier im großen Topf über offenem Feuer zubereitet. „Für die Kinder ist das ein spannendes Abenteuer und die entstehende Suppe ein vitaminreicher Genuss.“
* Alle Namen der Kinderdorfkinder sind geändert
Rezept Brennnessel-Suppe
- Die gesammelten jungen Brennnesseltriebe heiß spülen, trocken schleudern und die einzelnen Blätter abzupfen (Handschuhe anziehen!)
- Kleingeschnittene Zwiebeln in Fett anbraten
- Vorbereitete Brennnesseln dazugeben
- Mit Brühe aufgießen
- Kleingeschnittene Möhrchen und Kartoffeln dazugeben
- Wenn das Gemüse weich ist, pürieren
- Mit Sahne und Gewürzen abschmecken
Sieht aus wie eine Spinatsuppe und schmeckt auch so ähnlich!