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Das gnadenlose Taktik-Monster aus Worpswede

Die Mannschaften Das Sommerfest-Turnier im SOS-Kinderdorf Harksheide begeisterte die Zuschauer mit rasanten Duellen und einem Dauerbrenner des Sports: David schlägt Goliath!

Jedes Jahr feiert man im SOS-Kinderdorf Harksheide in Norderstedt ein großes, gemeinsames Sommerfest, und jedes Jahr würzt man die Veranstaltung mit einem sportlichen Höhepunkt für die Kinder. Dieses Jahr war es ein Fußballturnier, an dem die drei norddeutschen SOS-Kinderdörfer aus Worpswede, Lütjenburg (bei Kiel) und Harksheide sowie die 1. D-Jugend von Germania Schnelsen aus Hamburg teilnahmen. Schon beim Aufwärmen wurde die Mannschaft von Germania von den meisten zum Favoriten erklärt, wurde sie doch von niemand geringerem betreut als Klaus Thomforde, der Torwartlegende vom FC St. Pauli. Die allseits heiß diskutierte Frage war: würde sich die Erfahrung von 317 Einsätzen im Tor von St. Pauli sowie fast 10 Jahren Trainiertätigkeit im Spiel seiner Jungens niederschlagen? Die vermutete Antwort: Aber sicher doch!

Gratulation zum verdienten Sieg! Der Favoritenrolle wurde Germania Schnelsen im Auftaktspiel gegen das SOS-Kinderdorf Lütjenburg dann auch mühelos gerecht. Ball- und Passsicherheit und ein paar launige und präzise Anweisungen von der Trainerbank führten zu einem überzeugenden 6:0 Sieg. Als sich danach die Kinderdörfer aus Worpswede und Harksheide mühevoll 1:1 trennten und anschließend die Harksheider die Lütjenburger nur mit einem Kraftakt in letzter Sekunde glücklich mit 2:1 besiegen konnten, schien es nur noch eine Frage zu geben – mit welcher Tordifferenz wird Germania Schnelsen dieses Turnier gewinnen?

Zu diesem Zeitpunkt schaltete sich allerdings der Fußballgott ein, um seine Verehrer darauf hinzuweisen, dass es ihm egal ist ob man ein Fußballmillionär in bunten Schuhen ist oder ein Hamburger Jung´. Überheblichkeit ist für jeden ein süßes Gift, welches das Tor etwas kleiner und den Ball ein bisschen weniger rund werden lässt. Wenn man dann noch auf einen pfiffigen und wehrhaften Gegner trifft, dann spielt es auch keine Rolle mehr, wie viele Profijahre (in diesem Fall: 27) von der Trainerbank zuschauen. „Unsere Jungens hatten sich das erste Spiel von Germania genau angeschaut und sich sofort für die italienische Variante entschieden: hinten dicht machen und schnell kontern" erläuterte der Worpsweder Kinderdorfvater Jörg Niebler schmunzelnd den unerwarteten 2:0 Sieg seiner Überraschungsmannschaft. Und auch Kinderdorfmutter und Teammanagerin Angela Meyer zeigte sich taktisch versiert: "Wenn man mit dieser Taktik Europameister werden kann, haben wir gedacht, dann kann man damit auch dieses Turnier gewinnen."

Und so kam es dann auch. Germania biss sich an der Worpsweder Verteidigung die Zähne aus, scheiterte mit drei tollen Chancen an einem überragenden Torhüter, schaute danach den pfeilschnellen Kontern des Gegners nur betreten hinterher und freute sich nach dem Spiel auf eine Mannschaftsbesprechung mit seinem Trainer. Das SOS-Kinderdorf Worpswede sicherte sich im letzten Spiel den Turniersieg durch ein etwas mühevolles 2:1 gegen die Lütjenburger, nachdem vorher die Mannschaft aus dem SOS-Kinderdorf Harksheide für die Frechheit ihrer Freunde aus Worpswede bitter büßen musste. 6:1 rächten sich die Schnelsener und vollbrachten damit das kleine Wunder, mit einem Torverhältnis von 12:3 bei diesem Turnier Zweiter zu werden.

Die Worpsweder hingegen waren in ausgelassener Stimmung. "Ein Turniersieg gegen eine Vereinsmannschaft mit einem Bundesligaspieler als Trainer, da flipp´ ich doch aus. Ich denke mal, in Norddeutschland sind wir jetzt weltberühmt!" kommentierte man aus den Reihen der Gewinner den überraschenden aber hochverdienten Erfolg. Auch die Gastgeber aus dem SOS-Kinderdorf Harksheide waren mit ihrem dritten Platz am Ende zufrieden, schließlich hatte man als einzige Mannschaft gegen den späteren Sieger nicht verloren.