Bleistift

FC Augsburg-Kicker unterstützen Flüchtlingsprojekt

Die Spieler des "FCA" überbrachten Trikots Mit dem FC Augsburg feiern Nando Rafael und Gibril Sankoh den Aufstieg in die Fußballbundesliga. Vor rund zehn Jahren flohen beide Sportler vor Bürgerkriegen aus Afrika. Deshalb engagieren sie sich jetzt als Paten für das Flüchtlingsprojekt der SOS-Familien- und Jugendhilfen Augsburg.

Krieg, Armut und Verfolgung raubten ihnen alles: ihre Kindheit, ihre Hoffnung und häufig auch ihre Eltern. So entschlossen sie sich zur Flucht. Im Augsburger Stadtteil Hochfeld teilen sich neun junge Flüchtlinge drei Wohnungen – und hoffen auf einen Neuanfang. Betreut werden sie von den SOS-Familien- und Jugendhilfen Augsburg, die zum weltweiten Hilfswerk SOS-Kinderdorf gehören.

Eine langfristige Perspektive

Die Profis machten auch am Tischkicker eine sportliche Figur "Wir können sehr gut nachvollziehen, was die Jungs durchgemacht haben. Umso wichtiger ist, dass sie hier so gut betreut werden und eine Perspektive erhalten", sagt Nando Rafael, der im Bürgerkrieg in Angola seine Eltern verlor, ehe ihn ein Onkel nach Amsterdam holte, wo er seine Fußballkarriere als Mittelstürmer startete. Gibril Sankoh floh aus Sierra Leone, einem der ärmsten Länder der Welt. Ein Bekannter schleuste ihn nach Holland. Da war er 17. Eine schwere Zeit. "Ich habe nicht vergessen, wo ich herkomme. Deshalb setze ich mich für das Flüchtlingsprojekt ein", sagt Sankoh. Der Innenverteidiger des FCA hat es geschafft – mit Glück, Unterstützung und Fußballtalent.
Davon kann Joseph (Name geändert), 20, ebenfalls aus dem westafrikanischen Sierra Leone, nur träumen. Bislang kannte er Sankoh nur vom Fernsehen. Jetzt kann er sich mit ihm in seiner Muttersprache Mende unterhalten. Dass sich seine Vorbilder Gibril Sankoh und Nando Rafael für das Projekt interessieren und ihn besuchen, kann Joseph, der vor fast drei Jahren floh, noch gar nicht richtig fassen. Ein paar lockere Sprüche des FCA-Duos, das ganz natürlich und ohne Allüren auftritt, dann ist der Bann gebrochen, die Scheu vor den Fußballidolen abgelegt. Vor dem Wohnblock im Hochfeld spielen sie eine Runde Fußball. Im nahen Familienzentrum der SOS-Familien- und Jugendhilfen Augsburg treten die Flüchtlinge aus Afrika und dem Irak vergnügt beim Kicker gegeneinander an – ein gemeinsames Schicksal verbindet. "Für die meisten ist die Flucht ein Trauma, ganz zu schweigen von dem, was sie vorher erlebt haben", berichtet Angelika Christl, Bereichsleiterin Hochzoll und Hochfeld der SOS-Familien- und Jugendhilfen Augsburg. Umso zufriedener ist die Sozialpädagogin, dass die neun Jungs des Projekts "Betreutes Jugendwohnen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge" so gute Fortschritte machen.

Joseph hätte sogar einen Ausbildungsplatz als Maler – Sankoh und Rafael vernehmen es mit Freude. Doch solange er nicht als politischer Flüchtling anerkannt ist, darf Joseph mangels Arbeitserlaubnis keinen Job und keine Lehrstelle annehmen, erklärt Angelika Christl den FCA-Spielern den mühsamen Weg einer Integration. Dass sich Gibril Sankoh und Nando Rafael in der heißen Endphase der Saison so intensiv für das Flüchtlingsprojekt einsetzen und eine Patenschaft übernehmen, verdiene Respekt, meint Christl. Zum Dank überreicht sie den Spielern ein Trikot von SOS-Kinderdorf mit dem jeweiligen Namen und der Rückennummer. "Für unsere Jungs ist das eine super Motivation." Denn sie haben eines gemeinsam: Sie wollen es hier auch schaffen.