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Mit Mut gegen Internetmobbing und Cyberbullying
Tom hat sich fürchterlich erschrocken, als er neulich von einem Mitschüler einen Internet-Video-Tipp bekam und dort ein mit einer Handykamera aufgenommenes Mobbing-Video über seinen Freund vorfand. Er fand das nicht so lustig wie offenbar etwa 500 Internetnutzer, die das Video bereits angeklickt hatten. Tom hatte die Courage, sich an das SOS-Beratungszentrum Prignitz zu wenden und dort Hilfe zu holen. In weiteren Schritten konnte das Video in kurzer Zeit aus dem Internet entfernt werden und den Betroffenen geholfen werden.
Das SOS-Beratungszentrum informiert
Jörg Matthée, Diplom-Psychologe aus dem SOS-Beratungszentrum Prignitz, informiert über die Formen des Internetmobbigs und wie man sich als Opfer dagegen wehren kann.
Mobbing (vom Englischen "to mob", das heißt „anpöbeln, angreifen, über jemanden herfallen“) ist Schikane, Intrige und Psychoterror und eine ernstzunehmende Form der Gewaltanwendung. Mit den Neuen Medien taucht in der letzten Zeit immer häufigher eine besonders schlimme Form des Mobbings auf: das "Cyberbullying". Dabei steht das "Cyber" für das Internet und "bullying" bedeutet im Englischen "Mobbing, Schikane, Terror". Meist handelt es sich dabei um heimlich gemachte Aufnahmen von Menschen in von den Betroffenen als sehr entwürdigend und bloßstellend empfundenen Situationen. Nicht selten werden diese Situationen von anderen bewusst und aktiv herbeigeführt, um "gute Aufnahmen" zu bekommen. Die Kurzvideos werden dann ohne Wissen der Betroffenen von anonymen Absendern online möglichst weit verbreitet. In Ländern wie England oder Südkorea ist die Verbreitung solcher Videos bereits soweit fortgeschritten, dass gesetzliche Initiativen gegensteuern. Auch in Deutschland gibt es bereits bestehende Schutzrechte und zudem etliche Organisationen, die Hilfe anbieten.
Aktuelle Umfragen zeigen, dass bereits eine erhebliche Zahl von Jugendlichen mit Internetmobbing und Cyberbullying in Kontakt gekommen ist. Häufig findet ein erster Kontakt damit "nur so zum Spaß" statt, um sich mit anderen über etwas oder eben über andere lustig zu machen. Dass zu diesem vermeintlichen Spaß auch immer Opfer gehören, wird zunächst ausgeblendet. Was im ersten Moment möglicherweise witzig erscheint - zumindest wenn man selbst zu den Tätern oder den Zuschauern gehört - ist für das Opfer eine schreckliche Erfahrung und hohe emotionale Belastung.
Wie man sich wehren kann
Cyber-Mobbing ist in Deutschland ein Strafdelikt, für das bei Erwachsenen eine Höchststrafe von bis zu 5 Jahren verhängt werden kann. Jugendliche werden in der Regel mit einer Strafe von bis zu 10 Monaten Jugendhaft oder zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Grundlage sind hier vor allem die Persönlichkeitsrechte wie das Recht am eigenen Namen, am eigenen Bild und am gesprochenen Wort, was bedeutet, dass andere diese nicht ohne persönliche Einwilligung für eine Veröffnetlichung verwenden dürfen. Hinzu kommen der Ehrenschutz sowie die Straftatbestände der Beleidigung und üblen Nachrede.
Opfer von Cyberbullying reagieren zunächst meistens hilflos. Steht erst einmal ein entwürdigendes Video im Netz, können es schnell Hunderte oder Tausende sehen – und so schnell lässt sich das Material aus dem Netz nicht wieder entfernen. Hinzu kommt die Ungewissheit der Urheberschaft - oft ist es unmöglich, herauszufinden, wer das Video eingestellt hat und damit als Täter in Frage käme. Bei seriösen Netzwerkanbieter besteht aber die Möglichkeit, beleidigende, unseriöse, unethische oder sonstwie auffallende Seiten, Profile oder Darstellungen zu melden und ihre rasche Löschung zu beantragen. Erwachsene, die von Cyber-Mobbing gegen Kinder und Jugendliche erfahren, sollten schnellstmöglichst die Polizei informieren.
Schulen sollten gemeinsam mit Eltern das Thema Internetmobbing und Cyberbullying ernstnehmen, Verhaltensregeln entwickeln, Mobbingbeauftragte benennen, deren Aufgabe die Hilfe auch bei Internetmobbing einbeziehen sollte. Ein sogenanntes Streitschlichter-Konzept bietet darüber hinaus Konfliktbearbeitungsmöglichkeiten. Weitere Ansatzpunkte sind das gezielte Training des Selbstbewusstseins von Kindern und Jugendlichen und die Sensibilisierung der unmittelbaren Umgebung der Kinder und Jugendlichen und in der Gesellschaft. Jörg Matthée: "Der respektvolle und sichere Umgang mit den Neuen Medien sollte thematisiert und kann geübt und diskutiert werden, um Selbstachtung, Durchsetzungsvermögen und Mitverantwortlichkeit bei Kindern und Jugendlichen zu bewirken."
Vielfälfige Informationen zu Internetmobbing, Cyberbullying und anderen Formen des Mobbings gibt es zum Beispiel bei www.jugendinfo.de, www.internet-notruf.de, www.mobbing.seitenstark.de, www.schueler-gegen-mobbing.de, www.schueler-mobbing.de, www.mobbingberatung.info, www.mb-berlinbrandenburg.de.
Beim SOS-Beratungszentrum Prignitz können Kinder, Jugendliche und Eltern sowie auch Lehrer und Erzieher kostenlos und vertraulich persönliche Hilfe bekommen.
Kontakt: in Wittenberge: Wiglowstraße 11, Tel. 03877-92620 sowie
in Pritzwalk: Hagenstraße 20, Tel. 03395-76000.