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Asylprojekt München

Wie lebt es sich zu viert auf 14 Quadratmetern?

Nachbildung eines Containers mit orientalischer Einrichtung Am 20. Juni 2008 war der Internationale Tag des Flüchtlings. Zur selben Zeit fand in Essen der Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag statt, bei dem auch der SOS-Kinderdorf e.V. umfangreich vertreten war. Neben Messestand und SOS-Fachforen gab es auch eine ungewöhnliche Art der Präsentation: den Nachbau einer 14 Quadratmeter großen Containerunterkunft für Asylantragsteller. Die beispielhafte Darstellung der Situation vieler Flüchtlingsfamilien in Deutschland stand für die Arbeit im Asylprojekt des SOS-Beratungs- und Familienzentrums München.

Im Frühjahr 2008 waren im Ausländerzentralregister der Bundesrepublik Deutschland rund 127.000 Personen als geduldet und rund 21.000 Personen mit Aufenthaltsgestattung erfasst. Knapp die Hälfte der geduldeten Personen leben seit über sechs, wenn nicht sogar acht Jahren als Flüchtlinge im Land. Das Prekäre daran: Als Menschen, deren Aufenthaltsstatus in Deutschland nicht gesichert ist, können sie nur beschränkt Rechts- und Versorgungsleistungen des Staates beanspruchen. So haben Flüchtlingsfamilien keinen eindeutigen Anspruch auf Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe, viele Erwachsene haben erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt. Hinzu kommen widrige Lebensbedingungen in Armut, und es fehlen Zukunftsperspektiven.

Wohnen im Container

Nicht selten leben diese Familien auf engstem Raum. So stellt das Land Bayern beispielsweise staatliche Gemeinschaftsunterkünfte mit 12 bis 16 Quadratmeter großen Zimmern zur Verfügung. In solch einem kleinen Zimmer wohnen dann bis zu vier Personen; Dusche, WC und Küche teilt man sich mit anderen Flüchtlingsfamilien. Ein abgetrennter Raum neben dem Messestand von SOS-Kinderdorf e.V. auf dem Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag 2008 stellte eben diese Lebenswelt von Flüchtlingen in Deutschland dar. Hier ließ sich zumindest annähernd nachempfinden, unter welchen Bedingungen die Betroffenen ihr Leben meistern müssen.

Psychosoziale Folgen

Die Folgen liegen nahe: Diese Familien und vor allem deren Kinder sind oftmals von erheblichen psychischen, somatischen und sozialen Belastungen betroffen. Das kann sich äußern in schlechten Schulnoten bei Kindern, in hohen Trennungsraten bei den Eltern, aber auch in Konflikten, Aggressivität oder Vernachlässigung. Hinzu kommen starke Minderwertigkeitsgefühle gegenüber der restlichen Gesellschaft. Körperliche Auswirkungen, wie Schlaflosigkeit, Angstzustände, Depressionen oder ähnliche Symptome, kommen nicht selten vor.

Niedrigschwellige Arbeit des SOS-Beratungs- und Familienzentrums München

Ansicht eines Zimmers im Wohncontainer Wegen der räumlichen, sozialen und psychischen Isolation gilt es mitunter als schwierig, die betroffenen Familien zu erreichen, ihnen die notwendige Hilfe zukommen zu lassen. Weil sie Angst haben vor Kontrolle und Verfolgung nehmen sie offene Angebote außerhalb ihres Umfelds normalerweise nicht wahr. Das SOS-Beratungs- und Familienzentrum München überwindet seit bereits zehn Jahren diese Hürden und versucht, mit niedrigschwelliger Arbeit vor Ort, Betroffenen zu helfen. "Wir wollen Eltern und Kinder dabei unterstützen, sich ihrer früheren Kompetenzen bewusst zu werden und sie einzusetzen. Damit wollen wir ihnen helfen, ihr Leben trotz ihrer Fluchtgeschichte und ihrer Ausgrenzungserfahrungen wieder selbst in die Hand zu nehmen", erklären Felicitas Urbanek und Yvonne Lüders, die in der Münchner SOS-Einrichtung tätig sind. So gestaltet sich laut den Praktikerinnen für Flüchtlingsfamilien und ihren Kindern besonders schwierig der Übergang von einer Institution in die nächste, also etwa vom Kindergarten in die Schule. Bereits 1998 begann das SOS-Beratungs- und Familienzentrum München sein Angebot an diesem Bedarf auszurichten. Mitarbeiter der Einrichtung bieten Flüchtlingen in ihrer Umgebung pädagogische und psychologische Hilfen an, wie Kindersprechstunden, Kindertherapien, Kindergruppen für Kinder ohne Kindergartenplatz oder Ferienaufenthalte in einem SOS-Kinderdorf. Es gilt, auf die Eltern zuzugehen, sie "auf allen Ebenen zu erreichen", um dann, zum Teil mit Hilfe von Dolmetschern, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, das weitere Hilfe zulässt.

Ein Projekt der "Aktion Mensch"

2006 kam ein durch die "Aktion Mensch" gefördertes Projekt hinzu: Unter dem Namen "Sozialisierende Hilfen für Flüchtlingskinder und ihre Familien in staatlichen Unterkünften bei institutionellen Übergängen" soll die Integration der Flüchtlingskinder in deutsche Bildungsinstitutionen erleichtert werden. Es werden ethnienübergreifende Fördergruppen für Krippen-, Kindergarten- und Schulkinder gebildet, die eine Vorbereitung auf die nächstfolgende Institution bieten. Ebenso gibt es Angebote zur Elternbildung, Erziehungsberatung oder Begleitung bei Behördengängen etc. Psychotherapeutische Einzelberatungen für Eltern sowie Einzeltherapien oder Einzelförderung für Kinder ergänzen die Unterstützungsleistungen.

Internetauftritt des SOS-Familien- und Beratungszentrums München