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Freiwillig im Einsatz für SOS-Kinderdorf in Haiti

Ein Arbeitstag von Anna im Rahmen der Nothilfe für Kinder


Hilfe für ein unterernährtes Baby Anna arbeitete für drei Wochen als freiwillige Helferin im SOS-Kinderdorf in Santo. Die gebürtige Französin lebt seit sieben Jahren in Santo Domingo in der Dominikanischen Republik und hat sich als Freiwillige für die Katastrophenhilfe von SOS-Kinderdorf in Haiti gemeldet. Sie dachte, sie könnte als Dolmetscherin hilfreich sein, neben Französisch spricht sie auch Englisch und Spanisch. Das war sie, aber viel wichtiger war, dass sie ausgebildete Psychologin ist. "Ich wusste gar nicht wirklich, was mich erwartet, ich wollte eigentlich nur helfen. Dass es so gut gepasst hat, dass ich Psychologin bin, war einfach schön." Im Folgenden schildert sie einen ihrer Arbeitstage im Verlauf der drei Wochen.

"Wir fangen früh an hier im Kinderdorf in Santo, meistens stehe ich so um 5.30 Uhr auf, da geht die Sonne auf und es ist noch schön kühl. Und es gibt immer genug zu tun in dieser Situation, da zählt ja letztendlich auch jede Minute. Die Situation hier stellt alle vor große Herausforderungen. Nach dem Frühstück, also so um ca. 7 Uhr, beginnt mein Arbeitstag. Heute ging es zuerst gemeinsam mit den haitianischen Köchinnen darum, unseren Essensplan vielfältiger zu gestalten. Die letzen zwei Wochen gab's Reis, Milch, Bohnen und Cornflakes, irgendwie müssen wir schauen, zu Vitaminen zu kommen, schließlich brauchen wir alle Energie.

Zwei Mädchen freuen sich über eine warme Mahlzeit Um 8.00 Uhr kommen dann unser fünf haitianischen Psychologen und Psychologinnen. Sie sind vorerst für ein paar Monate verpflichtet. Meine Aufgabe ist es, mit ihnen die Planung für die nächsten drei Monate zu machen, die erste Phase unserer Nothilfe. Wir wollen psychologische Unterstützung in folgenden Bereichen leisten: 1. Kinder im Dorf, 2. Mütter und Tanten im Dorf, 3. anderes pädagogisches Personal und Mitarbeiter(innen) des Dorfes. Erste Zielgruppe sind aber die Kinder, sowohl die neu ankommenden als auch die, welche schon vor dem Erdbeben hier waren. Vor allem die neu ankommenden Kinder brauchen unsere ganze Unterstützung. Hier gilt es, auch deren gesamten psychologischen Zustand zu erheben, aber auch die nötigen Registrierungsarbeiten zu machen, die später helfen können, hoffentlich die Familien wieder zusammen zu bringen.

"Manche Kinder soprechen kaum"

Ab 9.00 Uhr gehen wir zu den Kindern. Zum Glück haben wir einheimische Psycholog(inn)en gefunden, die Kreolisch sprechen, das ist absolut wichtig. Die Kinder sind ganz unterschiedlich, manche sprechen kaum, sind ganz zurückgezogen, andere wieder sind kaum zu bremsen in ihrem Mitteilungsdrang. Wir versuchen sprachlich und mittels Malen mit den Kindern zu arbeiten. Wir lassen sie sich selbst und ihre Familie zeichnen. Später werten wir dann gemeinsam die Ergebnisse aus und dokumentieren alles. Das bildet die spätere Basis für unsere Arbeit mit jedem einzelnen Kind.

gemeinsames Singen und Spielen Von 12.30 Uhr bis 13.30 Uhr gibt es Mittagessen für das internationale Hilfsteam in der Schule. Unmittelbar danach fahre ich mit Graciela in die Stadt. Wir besuchen Waisenhäuser und einige Notunterkünfte. Im Vorhinein haben wir mit den Verantwortlichen Termine ausgemacht, wir wollen unbegleiteten Kindern helfen und sie in unser temporäres Betreuungsprogramm aufnehmen. Das ist immer bedrückend, auch wenn der Weg in diese Notlager beinahe zur "Routine" wird. Man gewöhnt sich nicht daran, es ist und bleibt bedrückend. Aber zum Glück, wir können helfen, die Menschen sind dankbar, dass jemand kommt, nachfragt und sich um die Kinder kümmert. Und es vergeht kein Tag, an dem uns keine Kinder anvertraut werden. Kinder, die im Moment niemanden haben, der wirklich für sie sorgt, die in den Lagern nur irgendwie nebenbei mitgelaufen sind, mehr schlecht als recht. Bei uns finden sie einen sicheren und geborgenen Platz, bis sie vielleicht wieder zu ihrer Familie kommen können. Wieder im Dorf werden die Kinder derzeit noch in SOS-Familienhäusern untergebracht. Die SOS-Mütter helfen wirklich aufopfernd. Statt sich wie bisher um ca. sechs bis neun Kinder zu kümmern, sind es jetzt schon zwischen 15 und 20.

Um 17.00 Uhr trifft sich heute das ganze Team, es gibt in dieser schwierigen Situation auch immer viel Organisatorisches zu regeln und zu besprechen, von der Sicherheit im Dorf bis zu den benötigten Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern. Wer holt wann welche Sachen vom Flughafen, wo werden sie gelagert etc. Um 18.00 Uhr wird es dunkel, wir setzen uns zum Abendessen… Cornflakes und Griesbrei.

Danach geht es ans Berichteschreiben, das ist immer der Abschluss unseres Tages, und ich freu mich, dass ich dann danach über Skype meinen Mann in der Dominikanischen Republik anrufen kann, wenn ein Computer frei ist und die Leitung funktioniert...mal schauen."